Herr Tröger, was zeichnet die Lösung von PSI aus?
Mit unserem Ansatz werden moderne Fertigungsprozesse dank KI und Datenintelligenz flexibler und robuster. Viele Unternehmen möchten ihre Produktion modularer und agiler aufstellen – sei es durch Matrixstrukturen oder andere Varianten flexibler Fertigung. Unsere Lösung liefert hierfür das notwendige digitale Rückgrat. So lassen sich Produktionsaufträge flexibel verteilen, Engpässe frühzeitig erkennen und die Auslastung von Maschinen und Ressourcen weiter optimieren.

Was ermöglicht diese neue Form der Steuerung konkret?
Unsere Lösung unterstützt ein dynamisch rekonfigurierbares Produktionssystem, was bedeutet: keine feste Linie, kein starrer Takt. Die Produktionsschritte sind über fahrerlose Transportsysteme (FTS) miteinander verbunden. Dadurch ist jeder Auftrag individuell steuerbar und Bearbeitungszeiten an den Stationen flexibel gestaltbar – abhängig von der jeweiligen Produktvariante, den Kapazitäten und der aktuellen Auftragslage.
Die Besonderheit liegt in der engen Verzahnung von ERP, MES und KI. Durch dieses Zusammenspiel werden Auftragsreihenfolgen und Terminierung automatisch und datenbasiert berechnet.
Hinzu kommt: Unsere Software plant nicht nur, sie steuert im Sinne eines Closed-Loop-Prinzips vorausschauend und ereignisgesteuert. Sie berücksichtigt vergangene, aktuelle und prognostizierte Auftragslagen – in einem durchgängigen Informationsfluss über alle Systeme hinweg.
Wie lösen Sie die zunehmende Komplexität in der Produktion?
Komplexität lässt sich nur durch Transparenz und intelligente Steuerung beherrschen – und genau hier setzt unsere Architektur an. Alle PSI-Lösungen basieren auf einer modernen Mehrschichtstruktur, die durchgängig auf offenen Industriestandards wie Java, XML und BPMN aufbaut. Unsere Lösungen werden bald vollständig cloudfähig sein, und damit hochverfügbar und skalierbar.
Ein weiteres zentrales Element ist unsere standardisierte Integrationsarchitektur: Plug-in-fähige Adapter sorgen für die Verbindung von IT und OT, also von Unternehmenssoftware und Maschinenebene. Auch ältere Anlagen lassen sich über digitale Hüllen, sogenannte Verwaltungsschalen, einbinden – ein entscheidender Faktor für eine realistische Umsetzung im Brownfield.
Welche Rolle spielt dabei KI?
Künstliche Intelligenz ist ein strategisches Element, das künftig stark an Bedeutung gewinnen wird. Viele Unternehmen in unseren Zielbranchen stehen noch am Anfang, was den Einsatz von KI betrifft. Skepsis ist verständlich – denn es geht nicht nur um Technologie, sondern auch um Vertrauen, Reifegrade und konkrete Mehrwerte.
Wir sehen die KI als lernende Komponente, die perspektivisch ein echter Gamechanger sein kann: Sie analysiert Daten, erkennt Muster und unterstützt dort, wo klassische Planungsmethoden an Grenzen stoßen – etwa bei der Reihenfolgeplanung oder der Ressourcenverteilung. In ausgewählten Szenarien setzen wir sie bereits ein: für eine bessere Planung, eine gesteigerte Reaktionsfähigkeit und fundiertere operative Entscheidungen.
Wichtig ist uns: Die KI bleibt eine Ergänzung, kein Ersatz. Sie unterstützt die Fachkräfte – datenbasiert, adaptiv und nachvollziehbar.

Inwieweit ist diese Lösung bereits industrieller Alltag?
Die Rückmeldungen unserer Kunden zeigen: Die Architektur trifft einen Nerv. Erste Module – etwa zur KI- gestützten Reihenfolgeplanung oder zur flexiblen Maschinenbelegung – sind in produktivem Einsatz. Die vollständige Vision der dynamischen, rekonfigurierbaren Produktion realisieren wir gemeinsam mit Pilotkunden Schritt für Schritt.
Was uns wichtig ist: Wir entwickeln gemeinsam mit den Anwendern. Auf Kundenwünsche wie den Erhalt der bestehenden Infrastruktur können wir so besser Rücksicht nehmen. Auch hierfür erarbeiten und bieten wir praktikable Wege für die Verbindung von Digitalisierung, Flexibilität und Zukunftssicherheit.
Wo erzielt Ihre Lösung den größten Mehrwert?
Insbesondere Unternehmen mit hoher Variantenvielfalt, komplexen Produktionsabläufen und starkem Anpassungsdruck profitieren – also Branchen, in denen es längst nicht mehr reicht, nur effizient zu produzieren. Das betrifft vor allem auch Unternehmen im Maschinen- und Anlagenbau sowie in der Automobilindustrie. Unsere Software befähigt diese zu einer hohen Wandlungsfähigkeit – technisch wie organisatorisch. Dafür muss nicht alles umgekrempelt werden.
Was sind Ihre nächsten Schritte mit PSIpenta?
Wir entwickeln unsere Lösung entlang realer Anwendungsszenarien weiter. Dazu zählen unter anderem der Ausbau Digitaler Zwillinge, neue Planungsansätze über Lieferketten hinweg und die noch engere Verzahnung mit Assistenzsystemen. Gleichzeitig bleiben wir nah an den Unternehmen: Wir wissen, dass jedes Werk anders tickt. Diese Vielfalt intelligent und wirtschaftlich zu unterstützen, sehen wir als unsere Aufgabe an.
Herr Tröger, vielen Dank für das Gespräch!
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