Wettbewerb, Unternehmensportrait

Bosch gewinnt Gold in Kategorie Digitaler Zwilling

Factory Innovation Award 2026 | Anbieter | Semantische Daten für KI und Digitale Zwillinge
15.06.2026 - von Redaktion FI
Lesedauer:  4 Minuten
v.l.n.r.: Daniel Prinzing, Birgit Boss, Marcel Köhler, Josepha Pfeiffer, Ulrich Wolters © KreativMedia
v.l.n.r.: Daniel Prinzing, Birgit Boss, Marcel Köhler, Josepha Pfeiffer, Ulrich Wolters © KreativMedia

Vom Problem zur Lösung: Was war der Ausgangspunkt für den Bosch Semantic Stack?

Wir kennen das Problem aus eigener Erfahrung. Bosch betreibt über 230 Werke weltweit und hat selbst erlebt, was wir das Data-Growth-Paradox nennen: Unternehmen erzeugen heute mehr Daten als je zuvor, können aber immer weniger Wert daraus ziehen. Der Grund ist nicht die Datenmenge an sich, sondern die steigende Komplexität, die damit einhergeht.

Jede neue Lösung, jede KI-Anwendung beginnt von vorn: Datenquellen suchen, mappen, harmonisieren. Das kostet Zeit und Budget, die für Innovation fehlen. Der Bosch Semantic Stack schafft ein gemeinsames Datenverständnis über den gesamten Produktlebenszyklus. Digitale Zwillinge sorgen dabei für die notwendige Transparenz, von Engineering über Produktion und Betrieb bis zum Recycling. Einmalig aufgebaut, beliebig wiederverwendbar. KI-ready in Wochen statt in Monaten.

Was macht Ihre Lösung einzigartig?

Drei Aspekte stechen hervor. Erstens: Wir beseitigen Datensilos und betrachten die Produkte über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg. Daten aus Engineering, Produktion, Betrieb und Recycling werden über Digitale Zwillinge verbunden. Zweitens: Wir setzen auf offene Standards wie IDTA, Asset Administration Shell, Eclipse ESMF und Catena-X. Drittens: Wir betreiben heute über 700 Millionen Digitale Zwillinge im industriellen Einsatz, validiert im Bosch-Produktionsumfeld.

Welche Rolle spielt KI für den Semantic Stack?

Der Semantic Stack ist die Voraussetzung dafür, dass KI in der Fertigung zuverlässig funktioniert. KI-Modelle sind nur so gut wie ihre Datenbasis. Wer fragmentierte, schlecht beschriebene Daten in ein Modell gibt, bekommt fragmentierte Ergebnisse zurück. Der Semantic Stack gibt Daten ihre einheitliche Bedeutung: Jeder Wert trägt seinen Kontext in sich. Das macht Daten KI-ready und ermöglicht KI-Agenten, fundierte Entscheidungen auf Basis verlässlicher Informationen zu treffen.

Daten am richtigen Ort, Erkenntnisse überall © Robert Bosch GmbH
Daten am richtigen Ort, Erkenntnisse überall © Robert Bosch GmbH

Wie gehen Sie mit Anforderungen an Schnittstellen und Integration um?

Das ist das Kernprinzip des Semantic Stack: Semantik vor Integration. Statt jedes System einzeln anzubinden, legen wir die Bedeutung der Daten einmal zentral ab. Danach kann jede neue Anwendung, jeder KI-Agent, jede Lösung sofort darauf zugreifen, ohne erneutes Mapping. Unsere Kunden berichten von bis zu 70 % geringeren Kosten für die Datenbereitstellung und 54 % weniger Aufwand bei der Datennutzung, basierend auf Erfahrungswerten aus realen Projekten.

Welchen konkreten Mehrwert können Kunden erwarten?

Der unmittelbare Effekt: Teams hören auf, dieselbe Arbeit mehrfach zu machen. Wer heute einen neuen Use Case aufsetzen will, ob KI-Anwendung, Produktpass oder Qualitätsreporting, greift auf dieselbe semantische Datenbasis zu. Das beschleunigt Entwicklung, reduziert technische Schulden und macht Daten skalierbar nutzbar. Bosch Mobility und Bosch Rexroth nutzen den Semantic Stack bereits, um Produktdaten von Millionen von Produkten über Digitale Zwillinge zugänglich zu machen. Der Wert liegt nicht in einer einzelnen Anwendung, sondern darin, dass jede weitere Anwendung günstiger und schneller wird als die vorherige.

Wie sehen Sie die Smart Factory in fünf Jahren?

Die Fabrik der Zukunft wird nicht von einer einzelnen Software gesteuert, sondern von einer intelligenten Zusammenarbeit: Menschen, Maschinen und KI-Agenten treffen gemeinsam operative Entscheidungen. Möglich wird dies durch Manufacturing Co-Intelligence®, die tiefgehendes Produktions-Know-how mit intelligenter Software verbindet, um so operative Exzellenz zu schaffen. Der Bosch Semantic Stack ist dabei das Datenfundament, auf dem diese Intelligenz aufbaut. Wer heute in semantische Datenkompetenz investiert, hat morgen den entscheidenden Vorteil bei der Skalierung von KI-Agenten und neuen Geschäftsmodellen über den gesamten Produktlebenszyklus.

© Robert Bosch GmbH
© Robert Bosch GmbH

Was bedeutet die Auszeichnung beim Factory Innovation Award für Sie?

Eine Bestätigung, dass das Problem real ist und unsere Antwort darauf überzeugt. Sie zeigt auch, dass ein produzierendes Unternehmen wie Bosch mehr leisten kann als operative Exzellenz in der Fertigung. Mit tiefem Fertigungs-Know-how und dem Anspruch, vom Leitanwender zum Leitanbieter zu werden, haben wir Software entwickelt, die Digitale Zwillinge in industriellem Maßstab nutzbar macht. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Und es zeigt, dass semantische Dateninfrastruktur in der Branche angekommen ist.

Mehr zu den Firmen erfahren


Das könnte Sie auch interessieren

Siemens Gerätewerk Amberg gewinnt Gold in Kat. Weiterbildung

Siemens Gerätewerk Amberg gewinnt Gold in Kat. Weiterbildung

Factory Innovation Award 2026 | Anwender | Transformation beginnt beim Menschen
Volatile Auftragslage, wachsende Anforderungen: viele sehen sich beim Thema Digitalisierung überfordert. Die „Heldenreise“ ist ein ganzheitliches Transformations- und Schulungskonzept der Siemens AG, das den Menschen dabei konsequent in den Mittelpunkt stellt und technisches Fachwissen durch gezielte Transformationsbegleitung ergänzt. Bei den Factory Innovation Awards 2026 hat das Unternehmen dafür Gold in der Kategorie „Weiterbildung“ gewonnen.
InTraLab gewinnt Gold in Kategorie Smart Factory

InTraLab gewinnt Gold in Kategorie Smart Factory

Factory Innovation Award 2026 | Weiterbildung | Lean Digital Production praxisnah erleben
Das Industrial Transformation Lab der Universität Potsdam ist eine Lernfabrik für die digitale Transformation und verbindet reale Infrastruktur mit digitaler Simulation. Die modularen Lernbausteine zu Lean Production, IIoT, AR, VR und KI sind einzeln buchbar oder individuell kombinierbar, für alle Kompetenzstufen. Bei den Factory Innovation Awards 2026 hat das InTraLab dafür Gold in der Kategorie „Weiterbildung“ gewonnen.
Best-of FI Award 2025: ISG Industrielle Steuerungstechnik

Best-of FI Award 2025: ISG Industrielle Steuerungstechnik

ISG-virtuos für fehlerfreie Engineeringprozesse – Sieger Industrie 4.0 in der Praxis (Anbieter)
ISG-virtuos ermöglicht die automatisierte Erstellung und durchgängige Nutzung digitaler Zwillinge für Industrie 4.0. Die Software unterstützt detaillierte Simulationen und virtuelle Inbetriebnahmen, erkennt Fehler frühzeitig und reduziert Stillstandzeiten. Mit Echtzeitsimulation und offenen Schnittstellen integriert sich ISG-virtuos nahtlos in bestehende Systeme und verbessert Effizienz, Nachhaltigkeit und Kosten im Engineering.
Best-of FI Award 2025: EVO Informationssysteme GmbH

Best-of FI Award 2025: EVO Informationssysteme GmbH

„Kosteneffiziente Digitalisierungsplattform“ – Finalist Industrie 4.0 in der Praxis (Anbieter)
Viele Unternehmen kämpfen mit fragmentierten Softwarelösungen und isolierten Datensilos, was Prozesse verlangsamt und Fehler begünstigt. EVO schafft mit einer zentralen Plattform Transparenz, verbindet Büro und Produktion nahtlos und sorgt für effiziente Abläufe. Modular und herstellerunabhängig ist EVO schnell einsatzbereit und steigert Wettbewerbsfähigkeit und Rentabilität. So können Unternehmen flexibel und digital wachsen.
Best-of FI Award 2025: SYNERPY GmbH

Best-of FI Award 2025: SYNERPY GmbH

Maßgeschneiderte ERP-Prozesse – Finalist Industrie 4.0 in der Praxis (Anbieter)
Die lizenzfreie ERP-Software von Synerpy automatisiert den Prozess der Arbeitsplanerstellung in der zerspanenden Industrie. CAD-Zeichnungen werden analysiert, kategorisiert und mit Fertigungsmöglichkeiten abgeglichen, um vollständige Arbeitspläne im ERP zu erzeugen. So werden Arbeitsvorbereitung entlastet, Planung optimiert und Maschinenauslastung verbessert. Herstellerunabhängige Maschinendaten fließen für Qualität und Effizienz zurück ins System.