Smart Factory in der DACH-Region ist mehr als ein Konzept: Produktionslinien steuern sich selbst, Digitale Zwillinge optimieren Lebenszyklen, Roboter arbeiten kollaborativ. Die Treiber dieser Transformation sind Technologieunternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz – ihre Lösungen reichen von KI-gestützter Qualitätssicherung über Digitale Zwillinge und Robotik bis zu energieautarken Werken. Ein Blick auf die Innovatoren der Region und ihre Technologien: substanziell statt spektakulär, präzise statt laut. Entwicklungen, die am Shopfloor beweisen, was sie leisten – unter Realbedingungen, mit messbaren Ergebnissen. Die DACH-Region beeindruckt weltweit mit Innovationen, auf die sie zu Recht stolz sein kann. Ein Beitrag zum Aufatmen, Staunen und Wohlfühlen – mit akuter Gefahr, dass Sie sich danach besser fühlen.
Bei dem Gedanken an Deutschland fallen vielen zuerst Namen wie Goethe, Schiller oder Beethoven ein – Sinnbilder für schöpferische Kraft, Präzision und Leidenschaft. Doch derselbe Geist prägt auch unzählige Ingenieurinnen und Ingenieure, die mit ihren Ideen und ihrer Tatkraft technische Lösungen geschaffen haben, die bis heute unser tägliches Leben prägen.
Von Johannes Gutenberg, der mit dem Buchdruck Wissen für für die lesekundige Bevölkerung zugänglich machte, über Carl Friedrich Benz und Gottlieb Daimler, die das Automobil auf die Straße brachten, hin zu Konrad Zuse, dessen Rechenmaschine den Grundstein für den modernen Computer legte – Erfindungen aus dem deutschsprachigen Raum haben die Welt verändert.
Rudolf Diesel entwickelte den nach ihm benannten Motor, Wilhelm Conrad Röntgen ermöglichte mit der Entdeckung der Röntgenstrahlung medizinische Durchbrüche, und Felix Wankel ersann den Kreiskolbenmotor. Auch österreichische Pioniere wie Christian Doppler, dessen Arbeiten bis heute Grundlage moderner Mess- und Medizintechnik sind, oder Viktor Kaplan mit seiner Wasserturbine trugen maßgeblich zu technologischen Fortschritten bei.
Deutschland – das Land der Dichter, Denker und pfiffigen Ingenieure
Auch im digitalen Zeitalter kamen wegweisende Entwicklungen aus der DACH-Region: Das MP3‑Format aus dem Fraunhofer IIS in Erlangen hat in den 1990er‑Jahren die Art verändert, wie weltweit Musik gehört und verteilt wird. Die Chipkarte, wie sie heute in Bank und Krankenkassenkarten genutzt wird, geht auf Entwicklungen unter anderem bei Giesecke+Devrient in München zurück und ist aus unserem Alltag kaum wegzudenken. Der Cern-Forschungskomplex in Genf revolutioniert nicht nur die Physik, sondern treibt auch Spitzentechnologie in Detektoren, Datenverarbeitung und Steuerungstechnik voran.
Präzise Sensorik und Steuerungen von Unternehmen wie Siemens oder Sick stellen sicher, dass Fertigungslinien in der Automobil- und Elektronikindustrie rund um den Globus stabil und effizient laufen. Industrieroboter von KUKA oder Stäubli schweißen, montieren und palettieren in tausenden Fabriken – oft zuverlässig im Hintergrund, aber entscheidend für Produktivität und Qualität. Österreichische Unternehmen wie AVL List mit Prüf- und Antriebstechnik oder Andritz mit Automatisierungslösungen setzen weltweit Standards in ihren Branchen.
Kurz gesagt: Die Innovationskraft der DACH-Region ist kein Mythos der Vergangenheit – sie prägt unsere Gegenwart und öffnet Wege in die Zukunft. Gemeinsam mit Pioniergeist und Präzision aus Deutschland, Österreich und der Schweiz entsteht eine Innovationslandschaft, die im globalen Wettbewerb industrielle Maßstäbe setzt.
Deutsche Technikideen, die die digitale Welt verändert haben
Ob in der Produktion, der Kommunikation oder der Mobilität – digitale Ideen aus Deutschland sind in vielen Bereichen zu einem unsichtbaren Rückgrat geworden. Vom MP3-Audiostandard des Fraunhofer IIS über die Chipkarte im Geldbeutel hin zu industriellen Steuerungen, die weltweit Fertigungslinien antreiben: Die deutsche Ingenieurskunst steckt tief in der digitalen Infrastruktur unseres Alltags.
In modernen Fabriken weltweit läuft das Engineering oft über Softwareplattformen von Siemens – Lösungen, die in unzähligen Produktionsstätten zum Einsatz kommen. Beckhoff Automation aus Verl liefert PC-basierte Steuerungstechnik in über 75 Länder und erzielte 2024 einen weltweiten Umsatz von 1,17 Milliarden Euro – mit Lösungen, die von der Halbleiterfertigung bis zur Windenergie reichen. KUKA aus Augsburg hat weltweit über 750 000 Industrieroboter installiert, die in Autowerken, Elektronikfabriken und Logistikzentren schweißen, montieren und palettieren.
Diese Technologien sind keine Nischenprodukte: Allein 2021 wurden global rund 655.000 Industrieroboter neu installiert, ein erheblicher Teil davon mit deutscher Steuerungs- und Antriebstechnik. Sensoren von Sick oder Bildverarbeitungssysteme aus Deutschland liefern die Datengrundlage, auf der Konzepte wie Digitale Zwillinge, Predictive Maintenance oder vernetzte Produktionslinien überhaupt erst funktionieren.
enau hier zeigt sich die besondere Stärke des deutschen Ingenieursgeists: Digitale Lösungen werden nicht um ihrer selbst willen entwickelt, sondern dort, wo sie in der realen Industrie einen messbaren Unterschied machen – zuverlässig, präzise und weltweit im Einsatz.
Industrie 4.0 – eine deutsche Idee erobert die Welt
„Industrie 4.0“ – dieser Begriff wurde 2011 auf der Hannover Messe geprägt und hat sich seitdem zu einem der weltweit prägendsten Konzepte der modernen Produktion entwickelt. Seit nunmehr fast 15 Jahren treibt diese Vision die Digitalisierung der Fabriken weltweit voran: Maschinen, Anlagen, Produkte und Menschen werden so vernetzt, dass Daten in Echtzeit fließen, Prozesse sich selbst optimieren und ganze Wertschöpfungsketten transparenter, flexibler und effizienter werden.
Doch der Begriff ist nicht zufällig entstanden – er war das Ergebnis einer langfristig gewollten und politisch wie fachlich getragenen Entwicklung. Bereits Jahre zuvor hatte die Bundesregierung mit Förderprogrammen wie AUTONOMIK den Grundstein gelegt: In zahlreichen Forschungsprojekten arbeiteten Unternehmen und Wissenschaft gemeinsam an vernetzten, selbstoptimierenden Produktionssystemen und intelligenten Technologien. Die Digitalisierung der industriellen Wertschöpfung war und ist kein Nebenprodukt, sondern ausdrücklich gewollte Innovationspolitik.
Deutschland war nicht nur bei der Konzeption federführend, sondern hat über all die Jahre hinweg auch in Forschung und Weiterentwicklung eine zentrale Rolle gespielt. Forschungseinrichtungen wie das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA, das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz DFKI oder die Plattform Industrie 4.0 haben Referenzarchitekturen entwickelt, Standards vorangetrieben und Konzepte wie den Digitalen Zwilling, vernetzte Produktionssysteme oder intelligente Assistenzsysteme maßgeblich mitgestaltet.
Zahlreiche Pilotfabriken, Demonstrationszentren und Forschungsprojekte in Deutschland haben über Jahre hinweg gezeigt, wie sich klassische Produktionsstandorte Schritt für Schritt in lernende, digitale Fabriken verwandeln lassen. Dabei geht es nicht nur um Hightech, sondern immer auch um Themen wie Arbeitssicherheit, Qualifizierung der Beschäftigten und eine verantwortungsvolle Nutzung von Daten – Punkte, die der deutschen Industrie traditionell wichtig sind.
Während die Vernetzung der Produktion in vielen Unternehmen noch vorangetrieben wird, zeichnet sich bereits die nächste Stufe ab: der Einsatz von Künstlicher Intelligenz in Entwicklung, Produktion und Service. Sie verspricht, aus der vernetzten Fabrik eine wirklich lernende Fabrik zu machen – doch die Skepsis ist groß: Wird Deutschland beim Thema KI nicht abgehängt? Ein Blick in die industrielle Praxis zeigt: Es gibt mehr Grund zum Optimismus, als viele denken.
KI – kann die DACH-Region mithalten?
Fakt ist: In der DACH-Region wird geforscht, entwickelt und angewendet – oft näher an der industriellen Realität als anderswo. Während Start-ups in den USA oder China Schlagzeilen mit Consumer-Apps machen, entstehen hier Lösungen, die Produktionsqualität erhöhen, Energieverbräuche senken oder Prozesse sicherer machen.
Diese KI-Landschaft ist geprägt von einem engen Zusammenspiel zwischen Forschungseinrichtungen, Mittelstand und etablierten Industrieunternehmen. Es geht hier weniger um spektakuläre Durchbrüche in sozialen Medien, sondern um robuste, zuverlässige Anwendungen, die in rauen Produktionsumgebungen funktionieren müssen – bei Temperaturschwankungen, unter Zeitdruck, mit höchsten Qualitätsanforderungen.
Technologie-Hoffnungsträger in Deutschland, Österreich und der Schweiz
KI „Made in Germany“ steht weniger für Lautstärke – und mehr für Substanz. Und tatsächlich kann Deutschland – gemeinsam mit seinen Nachbarn Österreich und der Schweiz – auf eine beachtliche Zahl innovativer Technologie- und Softwareunternehmen blicken, die in den vergangenen Jahren bemerkenswerte Fortschritte erzielt haben.
Unterschätzt genial – Die stille Größe der DACH-Region
Aleph Alpha steht für erklärbare, datensouveräne KI‑Modelle speziell für Europas hochregulierte Branchen, DeepL für herausragend präzise Übersetzungen auf Weltspitzenniveau, und Black Forest Labs für innovative generative Bild‑KI mit starkem Fokus auf Transparenz und Zugänglichkeit – drei Beispiele dafür, wie „AI made in Germany“ technologische Exzellenz mit europäischen Werten verbindet.
Diese Unternehmen und zahlreiche weitere sind echte Lichtblicke für die Zukunftsfähigkeit der Region.
Fertigung mit Köpfchen
Eine moderne Fabrik ist nur so intelligent wie die Systeme, die sie steuern. Maschinen müssen miteinander sprechen, Daten müssen in Echtzeit fließen, und Entscheidungen müssen dort getroffen werden, wo sie gebraucht werden – am Shopfloor. Genau hier entstehen in Deutschland und Österreich Lösungen, die weltweit zum Einsatz kommen: Cloudbasierte MES-Lösungen verbinden ERP und Produktion nahtlos – von etablierten Anbietern wie MPDV aus Mosbach und Siemens über spezialisierte Anbieter wie PSI, FASTEC und PROXIA bis zu SAP, während Digitale Zwillinge den gesamten Produktlebenszyklus abbilden.
All for One aus Filderstadt integriert SAP-Systeme bidirektional mit dem Shopfloor über OPC UA und verdoppelt damit die Produktionsgeschwindigkeit bei Pilotprojekten. Technord aus Frankreich bringt als MESA-zertifizierter Spezialist alle elf Funktionen des ANSI/ISA-95-Standards in die DACH-Region, während SYS-DAT mit seiner dmp-Suite Echtzeit-Transparenz über Produktion, Qualität und Wartung schafft. Symestic aus Deutschland hilft Unternehmen bei der richtigen MES-Auswahl durch fundierte Marktanalyse.
Doch die eigentliche Transformation findet in den Werkhallen statt. Dort zeigt sich, ob Konzepte funktionieren oder an der Realität scheitern: Rittal aus Haiger investierte 250 Millionen Euro in eine hochmoderne Smart Factory, die 9.000 Schaltschränke pro Tag mit 100 Hightech-Maschinen produziert – gesteuert durch eine Virtual Factory mit Analytics-Daten und 20 fahrerlosen Transportsystemen.
TRUMPF aus Ditzingen hat Rüstzeiten drastisch gesenkt und bietet mit Oseon eine Software, die Materialfluss komplett ohne Großlager automatisiert und Produktivitätsgewinne von bis zu 20 % ermöglicht. Festo aus Esslingen reduzierte Rüstzeiten von Stunden auf Sekunden und entwickelt mit seiner Industrial Intelligence KI-Anwendung für Echtzeitdaten in der Produktion. Bosch vernetzt über 120.000 Maschinen in seinen Werken und setzt KI-gestützte Anomalieerkennung in 800 Fertigungslinien ein – nicht als Experiment, sondern als Produktionsstandard.
Weltklasse aus Mitteleuropa – ganz ohne großes Getöse
Die Steuerungsebene wird dabei immer intelligenter, weil sie es sein muss. Beckhoff Automation aus Verl lässt KI-Modelle direkt auf der SPS laufen und ermöglicht mit TwinCAT Cloud Engineering Fernwartung global verteilter Steuerungssysteme. Pilz aus Ostfildern verbindet mit seiner I.A.M.-Lösung Safety, Security und Automation nach IEC 62443 – Maschinensicherheit wird zur Cybersecurity. Phoenix Contact aus Blomberg bietet mit PLCnext Technology ein offenes Ökosystem, das IEC 61131-3 mit High-Level-Sprachen kombiniert und TÜV-zertifiziert Edge Computing, Cloud-Connectivity und 5G-Integration ermöglicht.
WAGO aus Minden verfolgt mit „OPEN. To the Industrial IoT.“ konsequent offene Automatisierung auf Basis von echtzeitfähigem Linux und integriert als Bosch Rexroth-Partner ctrlX OS. ifm electronic aus Essen ist Pionier mit seiner moneo IIoT-Plattform vom Sensor bis ins ERP – mit Edge Gateways, Cloud-Lösungen und dem Y-Weg-Konzept für vollständige Datenverfügbarkeit. Unternehmen wie FORCAM ENISCO aus Ravensburg oderIndustrie Informatik aus Linz schaffen die Datendrehscheibe zwischen heterogenen Maschinenparks und Unternehmenssystemen.
Parallel dazu verändert Robotik die Fertigung grundlegend. KUKA aus Augsburg hat weltweit über 750.000 Industrieroboter installiert, betreibt eigene Smart Factory-Referenzprojekte mit Cloud-Connected Manufacturing und nutzt 3d Signals für KI-basierte Maschinenzustandserkennung. B&R aus Eggelsberg entwickelt mechatronische Transportsysteme, die Werkstücke flexibel durch die Fabrik bewegen. ABB aus Zürich arbeitet mit über 300.000 installierten Automatisierungssystemen weltweit an der nächsten Evolutionsstufe: Roboter, die per natürlicher Sprache programmiert werden.
SCHUNK aus Lauffen am Neckar liefert als Weltmarktführer für Spanntechnik und Greifsysteme über 11.000 Standardkomponenten – von Robotergreifern über Schnellwechselsysteme bis zu mechatronischen Antriebskomponenten, die Robotern erst ermöglichen, präzise zu greifen und sicher zu halten. Stäubli aus der Schweiz ist ein führender europäischer Roboterhersteller mit Schwerpunkt auf Präzisionsrobotik und Reinraum-Anwendungen.
Start-ups bringen frischen Wind: fruitcore robotics aus Deutschland bietet Plug&Produce-Industrieroboter mit KI-gestützter Software und ROI unter sechs Monaten, Robco aus München entwickelt modulare Robot-as-a-Service-Lösungen für KMU, und Roundpeg Technologies, ebenfalls aus München, revolutioniert die Kollaboration mit Robotern, die Menschen erkennen und Schutzzäune überflüssig machen. Auch Neura Robotics aus Metzingen, igus aus Köln mit kostengünstigen Low-Cost-Automation-Lösungen und Linde Material Handling mit Fokus auf Intralogistik-Automatisierung treiben die Robotik voran.
Am Ende jeder Prozesskette steht die Frage nach der Qualität. ZEISS Industrial Quality Solutions aus Oberkochen liefert Inline-Messtechnik, die ab dem ersten Bauteil verlässliche Prüfdaten ermöglicht – eine Voraussetzung für die selbstregulierende Fabrik. elunic aus Deutschland ergänzt dies mit AI.SEE™, einer KI-basierten automatischen Qualitätssicherung durch Computer Vision und Machine Learning in Echtzeit – eingesetzt in Automotive, Medizintechnik und Metallverarbeitung. Datenfabrik NRW entwickelt Smart Quality-Lösungen mit KI-gestützter Bildauswertung an Abcoil-Anlagen, und neogramm spezialisiert sich auf KI-Qualitätssicherung bei individualisierten Produkten, bei denen neuronale Netze Fehler von Produktvarianten unterscheiden.
Verbindungen schaffen, Prozesse verstehen
Künstliche Intelligenz entfaltet ihre Wirkung dort, wo sie auf echte Geschäftsprozesse trifft. Während große Sprachmodelle aus den USA Schlagzeilen machen, entstehen in Europa KI-Systeme mit einem anderen Fokus: transparent, sicher und für industrielle Anwendungen gedacht. Aleph Alpha aus Heidelberg entwickelt mit dem Sprachmodell „Luminous“ eine europäische Alternative zu Open AI – konzipiert für öffentliche Verwaltung und Industrie, mit 500 Millionen Dollar Finanzierung von Unternehmen wie SAP, Bosch und der Schwarz-Gruppe. Baden-Württemberg nutzt bereits das KI-System F13 im Regierungsbetrieb.
valantic aus Deutschland unterstützt Unternehmen bei KI-Anwendungen in der Praxis – von KI-Qualitätskontrolle über automatisierte Dokumentenverwaltung bis zur Lieferkettenoptimierung. FactoryPal aus Berlin revolutioniert Manufacturing durch AI-driven Shop Floor Performance Optimization mit modularen Anwendungen für sichere Datenerfassung, Echtzeit-Monitoring und KI-gesteuerte Maschineneinstellungen.
Sprache ist eine Sache, Verstehen eine andere. DeepL aus Köln gilt als präzisester maschineller Übersetzer der Welt – dreimal genauer als direkte Konkurrenten – und übersetzt in 29 Sprachen für über eine Milliarde Nutzer weltweit. Das Unternehmen ist ein Einhorn mit über einer Milliarde Dollar Bewertung und zeigt, dass KI-Exzellenz nicht zwingend aus dem Silicon Valley kommen muss.
Doch KI allein löst keine Probleme – sie muss Prozesse verstehen. Genau hier setzt Celonis aus München an: Die Software analysiert und optimiert Geschäftsprozesse datenbasiert mit KI. Das Unternehmen ist Deutschlands erstes Decacorn – mit über 10 Milliarden Dollar Bewertung – und gewann 2019 den Deutschen Zukunftspreis. Kunden wie PepsiCo nutzen die Process-Intelligence-Plattform, um Engpässe zu identifizieren und Abläufe zu beschleunigen.
Digitale Zusammenarbeit benötigt Plattformen, die über Distanz funktionieren. TeamViewer aus Göppingen hat sich von einer Fernzugriffssoftware zu einer umfassenden Digitalisierungsplattform entwickelt: AR-gestützter Remote-Support ermöglicht technische Problemlösungen in Echtzeit. RealWear bietet mit DACH-Vertretung KI-gesteuerte AR Smart Glasses für industrielle Frontline-Mitarbeiter – freihändig, integriert mit TeamViewer, Microsoft und Zoom. Bei Boeing steigerten sie die Genauigkeit um 33 % und die Produktivität um 25 %, bei DHL optimierten sie Warehouse-Prozesse, bei General Electric ermöglichen sie Fernwartung.
IoT-Lösungen verbinden Anlagen weltweit: Janz Tec aus Deutschland bietet IoT-Gateways für industrielle Maschinendatenerfassung mit VPN Management und digitalen Zertifikaten – von Smart- Coffee-Automaten-Monitoring bis zu Predictive Maintenance mit verschlüsselter Cloud-Übertragung. Xentara aus Unterhaching entwickelt eine Smart Manufacturing Platform mit Integration gängiger Protokolle, Feldbusse und PLCs, installierbar auf PCs, Raspberry Pis oder Cloud. In der Baubranche deckt Nemetschek aus München mit BIM-Softwarelösungen den kompletten Lebenszyklus von Bau- und Infrastrukturprojekten ab – von der Planung bis zum Betrieb.
Digitale Zwillinge als Schlüsseltechnologie
Der Digitale Zwilling ist mehr als eine virtuelle Kopie – er ist ein lebendes Modell, das Planung, Betrieb und Optimierung über den gesamten Produktlebenszyklus verbindet. conplement aus Deutschland bietet mit twinsphere eine AAS-Plattform (Asset Administration Shell) für Digitale Zwillinge, basierend auf IDTA-Standards. Das Think-Check-Make-Vorgehensmodell begleitet Unternehmen vom Entwicklungsplan über die Validierung bis zur Umsetzung mit Echtzeit-Kommunikation und Event-Mechanismen für interoperable Datennutzung.
MaibornWolff aus Deutschland implementiert umfassende Digital-Twin-Lösungen für präzise virtuelle Darstellung physischer Anlagen mit Planung, Analyse, individueller Anwendungsentwicklung und tiefgehenden Analysen. Altair Engineering bietet eine Digital-Twin-Plattform für optimierte Produktleistung – sowohl physik- als auch datengestützt – und ermöglicht Simulation, Optimierung und Validierung über den gesamten Produktlebenszyklus.
Technologien, die keiner sieht – aber alle brauchen
Moderne Produktion steht und fällt mit Technologien, die selten im Rampenlicht stehen – aber ohne die nichts funktioniert. Halbleiter sind das Nervensystem jeder intelligenten Maschine, jedes Elektrofahrzeugs, jeder vernetzten Anlage. Infineon aus Neubiberg bei München ist ein bedeutender europäischer Halbleiterhersteller mit Fokus auf Leistungselektronik für Elektromobilität, erneuerbare Energien und Industrie 4.0. In jedem E-Auto stecken Infineon-Halbleiter im Wert von 1300 Dollar, und die neue „Smart Power Fab“ in Dresden wird mit einer Milliarde Euro Förderung gebaut.
Doch die weltweit anspruchsvollsten Chips entstehen nur mit einer Technologie: der EUV-Lithografie. ASML aus den Niederlanden ist der einzige Hersteller dieser extrem komplexen Maschinen – doch ohne deutsche Schlüsselkomponenten würde kein einziger EUV-Scanner funktionieren. Carl Zeiss SMT liefert exklusiv die hochpräzisen Spiegel- und Optiksysteme, ohne die EUV-Lithografie technisch nicht realisierbar wäre, und TRUMPF stellt die CO₂-Hochleistungslaser, die im EUV-Lichtquellensystem Zinntropfen zu Plasma verdampfen und so überhaupt erst EUV-Licht erzeugen, her.
Deutschland hält damit eine quasi-monopolistische Stellung bei diesen Schlüsselkomponenten. Giesecke+Devrient aus München unterstützt Industrial IoT mit sicheren Konnektivitätslösungen – die SGP.32-Spezifikation vereinfacht Remote SIM Provisioning für M2M- und IoT-Geräte, Secure Elements und moderne Verschlüsselungstechnologien schützen die Datenintegrität in industriellen IoT-Netzwerken.
Auch bei der Elektromobilität geht es um mehr als Batterien. Elektromotoren der nächsten Generation müssen ohne seltene Erden auskommen, effizienter werden und zugleich kostengünstiger zu fertigen sein. BMW produziert im Werk Steyr die Gen6-Elektromotoren als stromerregte Synchronmaschinen, die komplett ohne seltene Erden funktionieren. Mahle aus Stuttgart entwickelte den MCT-E-Motor mit induktiver, kontaktloser Leistungsübertragung – komplett magnetfrei, mit über 95 % Wirkungsgrad und skalierbar vom Kleinwagen bis zum Nutzfahrzeug. ZF Friedrichshafen bietet mit dem I2SM einen fremderregten Synchronmotor, der die Energie für das Magnetfeld induktiv überträgt und besonders kompakt bei hoher Leistungs- und Drehmomentdichte ist.
Es sind diese oft unsichtbaren Technologien, die den Unterschied machen – zwischen einem Produkt, das funktioniert, und einem, das weltweit Standards setzt.
Sicherheit als Grundpfeiler der vernetzten Fabrik
Je vernetzter die Produktion, desto anfälliger wird sie für Cyber-Angriffe. OT-Security ist keine IT-Security – hier steht nicht Vertraulichkeit im Vordergrund, sondern Verfügbarkeit, Integrität und physische Sicherheit. Novotek aus Österreich spezialisiert sich auf OT Security für industrielle Produktionssysteme, basierend auf dem NIST OT Security Framework mit fünf Kernfunktionen: Identify, Protect, Detect, Response, Recover. Die octoplant-Lösung bietet automatisierte Backup-Funktionen, Zugriffskontrolle über Active Directory und BI-Plattformen für Dashboards.
Grant Thornton Deutschland bietet Industrial Cyber Defense nach IEC 62443 – OT-Security schützt SCADA, ICS und PLCs vor Cyber-Angriffen durch Transparenz kritischer Prozesse, Schutz sensibler OT-Daten und VLAN-basierte Netzwerksegmentierung mit Zero-Trust-Prinzipien. CyberKom AI aus Deutschland bietet ganzheitliche OT-Security-Lösungen nach IEC 62443 und NIS-2-Richtlinie für industrielle Anlagen, Maschinensteuerungen und KRITIS-Infrastrukturen.
Nachhaltigkeit als Wettbewerbsvorteil
Die Industrie steht vor einer doppelten Herausforderung: Produktion muss effizienter werden – und gleichzeitig klimaneutral. Was sich nach Widerspruch anhört, wird heute zum Innovationstreiber. Unternehmen entwickeln Kreislaufsysteme, in denen Abfall zur Ressource wird, CO₂ zum Rohstoff und Energie aus der eigenen Anlage kommt. Nachhaltigkeit ist längst kein Kostenfaktor mehr, sondern Wettbewerbsvorteil.
Stark, smart und sympathisch: Die DACH-DNA
Schneider Electric betreibt weltweit fast 80 CO₂-freie Standorte. Die Smart Factory in LeVaudreuil reduzierte CO₂-Emissionen um 32 % durch IoT-basierte Digitalisierung mit kommunikationsfähigen Messgeräten. Das Werk bezieht 100 % Strom aus erneuerbaren Quellen und strebt Netto-Null-Emissionen bis 2025 an.
Die Alois-Müller-Gruppe aus Deutschland betreibt eine Green Factory, die CO₂-neutral und nahezu energieautark ist – intelligentes Energie- und Lastmanagement erfasst über 100 Messpunkte zur Optimierung, überschüssiger Solarstrom wird als Wärme in 100.000-Liter-Pufferspeicher gespeichert, Teilnahme am Regelleistungsmarkt unterstützt das öffentliche Energiesystem. Die Klima.Neutral.Digital-Initiative aus Deutschland unterstützt Unternehmen auf dem Weg zur Klimaneutralität mit einer Kombination aus Digitalisierung und Nachhaltigkeit, Fokus auf CO₂-Monitoring in Echtzeit (FILPCO₂-Projekt) als Partner der Allianz Industrie 4.0 Baden-Württemberg.
Covestro aus Leverkusen macht vor, wie Chemie kreislauffähig werden kann. Mit einem chemischen Recyclingverfahren wird Polycarbonat-Abfall in neue Hochleistungskunststoffe zurückverwandelt – in Originalqualität, ohne Downcycling. Bis 2035 will das Unternehmen vollständig klimaneutral produzieren, indem es auf erneuerbare Rohstoffe, grünen Wasserstoff und CO₂ als Rohstoff setzt. Parallel dazu revolutioniert Dürr aus Bietigheim-Bissingen die Lackiererei: Die EcoInCure-Technologie senkt den Energieverbrauch beim Trocknen um bis zu 40 % durch intelligente Kombination von Infrarotstrahlung und Konvektion. Noch konsequenter sind die Oxi.X-Systeme, die Lösemitteldämpfe aus Lackieranlagen thermisch oxidieren und die entstehende Wärme direkt zur Energieversorgung des Werks nutzen – ein geschlossener Kreislauf ohne Emissionen.
Bosch geht den Weg zur Klimaneutralität im industriellen Maßstab: Weltweit arbeiten bereits über 400 Standorte CO₂‑neutral, während das Unternehmen massiv in Wasserstofftechnologien investiert – von Elektrolyseuren für grünen Wasserstoff über Brennstoffzellen für Nutzfahrzeuge bis zu stationären Energiesystemen. Die Circular Economy Initiative Deutschland bringt derweil Politik, Wirtschaft und Wissenschaft zusammen, um Geschäftsmodelle zu entwickeln, die Kreislaufwirtschaft skalierbar machen. Dass selbst komplexe Elektronik reparierbar, modular und langlebig sein kann, beweist Fairphone mit transparenten Lieferketten und fairen Arbeitsbedingungen.
Es geht nicht mehr um „weniger schlecht“, sondern um echte Regeneration: Produktionssysteme, die mehr zurückgeben, als sie verbrauchen. Deutschland hat dabei auf der Expo 2025 in Japan eindrucksvoll gezeigt, wie stark Nachhaltigkeit bereits Teil der deutschen Innovations- und Wettbewerbsstrategie ist – und dass das Land in vielen Bereichen eine federführende Rolle bei zukunftsfähigen, nachhaltigen Lösungen einnimmt.
Resiliente Lieferketten für unsichere Zeiten
Globale Krisen haben gezeigt: Lieferketten müssen widerstandsfähiger werden. SAP bietet resiliente Lieferketten-Lösungen mit Integrated Business Planning – flexible Notfallplanung, Prognosen und schnelle Reaktion auf Störungen. Supply-Chain-Planung synchronisiert Angebots- und Bedarfsanforderungen. Blockchain, Sensoren und Analytics überwachen komplexe Partnerschaften bis in entfernte Regionen. Unternehmen profitieren von 60 % kürzeren Produktentwicklungszyklen und 25 % höherer Produktionskapazität.
RM Risk Management aus der Schweiz bietet Supplier Continuity Management und Lieferantenrisikomanagement mit Risikobewertung, Entwicklung von Supplier-Continuity-Plänen, Notfallstrategien und Lieferkettenüberwachung. KPIs und Monitoring-Tools ermöglichen frühzeitige Risikoerkennung. KPMG Deutschland unterstützt bei resilienten Lieferketten und Versorgungssicherheit durch eine doppelte Transformation mit Digitalisierung und Nachhaltigkeit mit Risikoanalyse, Diversifikation, Transparenz und digitale Supply-Chain-Technologien von Beschaffung bis Distribution.
Transformation begleiten, Wissen weitergeben
Technologie allein transformiert keine Unternehmen – es braucht Beratung, Methodik und Weiterbildung. MHP – A Porsche Company erstellt das Industrie 4.0 Barometer mit über 800 Unternehmen in DACH, USA, China und UK und bietet Management- und IT-Beratung für digitale Transformation. Das Industrie 4.0 Maturity Center begleitet Unternehmen bei der Optimierung von Produktionsprozessen durch Lean-Tools, digitale Lösungen und Automatisierung.
Die Allianz Industrie 4.0 Baden-Württemberg organisiert STARTUP THE FUTURE-Events für KMU-Digitalisierung mit Best Practices und Use Cases. Herausragende digitale Transformationen werden mit dem Factory Innovation Award ausgezeichnet, der innovative Lösungen in Kategorien wie Smart Factory, Forschung und Weiterbildung würdigt, sowie mit dem Allianz Industrie 4.0 Award Baden-Württemberg. Das Netzwerk umfasst über 50 Unternehmen mit Fokus auf praktischer Umsetzung.
Wissen muss weitergegeben werden: Die IHK Akademie Schwaben bietet Zertifikatslehrgänge für Smart Factory und Industrie 4.0, die ITA Academy vermittelt in Workshops Readiness for Smart Manufacturing, und das VDI Wissensforum schult in der Digitalisierung von Produktionsprozessen – von Lean-Methoden über digitale Fertigung bis zu Industrial IoT.
Forschung als Fundament für Praxiserfolg
Innovation entsteht nicht im luftleeren Raum – sie benötigt Forschung, die nach vorn denkt, und Bildung, die auf Veränderung vorbereitet. Deutschland verfügt über eine einzigartige Infrastruktur aus Hochschulen, außeruniversitären Forschungseinrichtungen und Transfernetzwerken, die Grundlagenforschung mit industrieller Anwendung verbinden. Die Fraunhofer-Gesellschaft betreibt mit 76 Instituten die weltweit größte Organisation für anwendungsorientierte Forschung – vom Fraunhofer IPK in Berlin für adaptive Produktionssysteme über das IPA in Stuttgart für Robotik bis zum IWU in Chemnitz für Leichtbau.
Hochschulen wie die RWTH Aachen oder das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) verbinden universitäre Lehre mit Großforschung und entwickeln Technologien zu Batterien, Wasserstoff und Industrie 4.0, die direkt in die Wirtschaft transferiert werden. Doch Wissen allein genügt nicht – es muss weitergegeben werden. Das InTraLab an der Universität Potsdam kombiniert reale Maschinen mit virtuellen Szenarien für praxisnahe Weiterbildung und wurde 2025 mit dem Factory Innovation Award ausgezeichnet. Die SmartFactoryOWL des Fraunhofer IOSB-INA in Lemgo gewann in der Kategorie Forschung für ihr Projekt, das durch KI den CO₂-Ausstoß in der Produktion reduziert. Mittelstand 4.0-Kompetenzzentren bringen digitales Wissen direkt in KMU, die oft keine eigenen Forschungsressourcen haben.
Die Zukunft gehört denen, die heute in Köpfe investieren – nicht nur in Maschinen.
Deutschland, Österreich und die Schweiz gehören im Bereich Smart Factory und Industrie 4.0 zur Weltspitze – nicht nur theoretisch, sondern praktisch: Die hier entwickelten Technologien werden bereits heute in den eigenen Produktionsstätten angewendet und setzen Maßstäbe für die globale Fertigungsindustrie. Von MES-Lösungen über Robotik und Automatisierung hin zu Qualitätssicherung und KI-Integration – die komplette Wertschöpfungskette wird abgedeckt.
DACH kann Zukunft
Die Transformation der Industrie ist keine ferne Vision – sie passiert heute in tausenden Unternehmen von Flensburg bis Lugano, von Bregenz bis Wien – in Deutschland, Österreich und der Schweiz, zwischen Start-ups und Weltkonzernen. Deutschland hat die Technologien, das Know-how und die Infrastruktur, um nicht nur mitzuhalten, sondern voranzugehen.
Was fehlt, ist nicht die Fähigkeit – sondern oft nur der Mut zum ersten Schritt. Jede digitale Transformation beginnt klein: mit einem Pilotprojekt, einer Schulung, einer neuen Partnerschaft. Die Unternehmen, die heute investieren – in Technologie, in Menschen, in Kooperationen, – schreiben morgen die Erfolgsgeschichten.
Wir können mit Überzeugung sagen: Wir sind auf einem starken Weg – und Sie sind ein aktiver Teil davon. Gönnen Sie sich den Luxus, kurz innezuhalten und zu lächeln – denn genau so jemand wie Sie macht den Unterschied. Sie dürfen sich ohne jede falsche Bescheidenheit großartig finden.
Die Zukunft der Produktion wird nicht irgendwo gemacht. Sie entsteht hier.
Branchen: Branchenübergreifend
