Energie und Ressourcen

Best-of FI Award 2025: IIM, TU Graz | LEAD Factory

„Effizienz live erleben“ - Sieger Schulung (Forschung)
14.05.2025 - von Redaktion FI
Lesedauer:  3 Minuten
v.l.n.r.: Dr. Hanna Theuer, Prof. Dr. Christian Ramsauer, Dr. Sander Lass
v.l.n.r.: Dr. Hanna Theuer, Prof. Dr. Christian Ramsauer, Dr. Sander Lass © KreativMedia

Problemlösung

Das Institut für Innovation und Industrie Management (IIM) der TU Graz betreibt die LEAD Factory, eine verkleinerte Produktionsstätte für Lehre und Forschung, in der Workshop-Teilnehmer praxisnah lernen, ineffiziente Prozesse in schlanke, digitalisierte und energieeffiziente Abläufe zu transformieren.

In der Lernfabrik wird die Herstellung eines Scooters nachgestellt. Nach kurzen Theorieeinheiten wenden die Teilnehmer in Kleingruppen das Gelernte an, indem sie iterativ Verbesserungspotenziale identifizieren und umsetzen. Ziel dabei ist es, eine optimierte Produktionslinie aufzubauen und die Auswirkungen der angewandten Methoden unmittelbar zu erfahren.

USP

  • Voll funktionsfähiges Produkt (Scooter) als zentrales und wiederkehrendes Element aller Lehreinheiten
  • Moderne Technologien (3D-Drucker, Bildererkennung, Echtzeit-Monitoring)
  • Drei Zustände (Ausgangszustand, Lean-Zustand, Digital-Zustand), welche Evolutionsstufen aufzeigen
  • Modularer Aufbau von Inhalten und Infrastruktur; Fertigungs- und Montagelinien können getrennt und im Zusammenspiel eingebunden werden
  • Eine der wenigen Lernfabriken, welche auch das Thema Agilität abdecken kann
  • Eine der ersten Lernfabriken mit Schwerpunkt ökologische Nachhaltigkeit
LEAD Factory

Nutzen für Lernende

Studien belegen, dass handlungsorientierte Lernmethoden der effektivste Weg zur Wissensvermittlung sind. Die Lernfabrik bietet ein konkretes Szenario, in dem Probleme erlebbar werden. Lernende erkunden Fertigungs- und Montageprozesse und werden so für die jeweiligen Themen nicht nur sensibilisiert, sondern können Methoden auch anwenden und damit experimentieren. 

Basierend auf dem Prinzip des Learning-by-Doing sammeln die Teilnehmenden neue und nachhaltige Erkenntnisse und können diese Fähigkeiten effektiver in der Praxis umsetzen.

Praxisnähe und Anwenden sichern den dauerhaften Lernerfolg © TU Graz

Anpassbarkeit und Flexibilität hinsichtlich Themen und Vorkenntnisse

Initial wurde die realitätsnahe Lernumgebung genutzt, um Methoden zur Effizienzsteigerung für Studierende erlebbar zu machen. Mit der Zeit kamen die Themen Digitalisierung, Energieeffizienz und zuletzt Nachhaltigkeit hinzu. Heute ist die LEAD Factory in sieben verschiedenen Lehrveranstaltungen eingebunden. 

Abhängig von Schwerpunkt und Vorkenntnissen können die Trainingsmodule (nahezu) beliebig kombiniert und an den Schulungsbedarf angepasst werden. Indem das Produkt unverändert bleibt, können sich Teilnehmer leichter auf die Inhalte konzentrieren. Bei Bedarf können die Trainingsmodule zudem gekürzt werden.

Sicherstellung des Erreichens der Lernziele 

Je nach Aufgabe können unterschiedliche Lösungen sofort erprobt werden. Bereits dadurch und durch das direkte Anwenden von Konzepten ist ein Lerneffekt gegeben. Am Ende einer Übung werden die Ergebnisse noch vor Ort diskutiert.

Mehrtägige Trainings beinhalten mindestens eine Wrap-up-Session, um Lernziele und -erfolg zu festigen. Bei Bedarf kann mittels eines Learning Protocols das Erlernte im Nachgang nochmals reflektiert werden. Pre-Post-Test haben den Lernerfolg für ausgewählte Module bereits nachgewiesen. Trainings werden für die kontinuierliche Weiterentwicklung mittels standardisierter Fragebögen anonym bewertet.

Die Lernfabrik der TU Graz bildet alle relevanten Themen vom Design bis zur Fertigung ab. Dazu gehören Lean-Prinzipien, Energieeffizienz, Agilität und Digitalisierung, CO2-Bilanzierung. Aus den 28 Modulen kann sich ein Teilnehmer ein Programm selbst zusammenstellen. Damit können sie fehlendes Wissen Hands On mit Praxisbezug auffüllen und die Transformation einer realen Produktionsumgebung erleben.

Mehr erfahren über


Das könnte Sie auch interessieren

Kreislaufwirtschaft: von der Forschung in die Fabrik

Kreislaufwirtschaft: von der Forschung in die Fabrik

Im Gespräch mit der führenden belgischen Forschungseinrichtung VITO
VITO ist eine unabhängige, strategisch ausgerichtete Forschungsorganisation mit 1.400 Mitarbeitern. Sie betreibt angewandte Forschung mit dem Ziel, mit Kreislaufwirtschaft die Autonomie und Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie zu stärken, Gesellschaften widerstandsfähiger zu machen und die Qualität des Lebensumfeldes zu verbessern. Im Jahr 2024 stammten lediglich 12,2 % der in der EU verwendeten Materialien aus dem Recycling.
Kunststoff als Schlüssel für die Kreislaufwirtschaft

Kunststoff als Schlüssel für die Kreislaufwirtschaft

Interview mit PlasticsEurope Deutschland e. V. | Wie aus Innovationen industrielle Wirklichkeit werden kann
Deutschland verfügt im Bereich der Kunststoffindustrie über eine exzellente Forschungslandschaft und eine starke industrielle Basis. Dennoch gelingt es häufig nicht schnell genug, neue Kunststofftechnologien aus Laboren und Pilotanlagen in großtechnische industrielle Anwendungen zu überführen. Gerade im Bereich der Kreislaufwirtschaft zeigt sich diese Herausforderung besonders deutlich. Worauf kommt es beim Zusammenspiel zwischen Produzenten, Lieferketten, Politik und Gesellschaft an?
Digitale Intelligenz statt Energieverschwendung

Digitale Intelligenz statt Energieverschwendung

So senken smarte Algorithmen Kosten und schaffen CO₂-Transparenz
Steigende Energiepreise, strengere Regulierung und wachsende Erwartungen an nachhaltige Lieferketten setzen Unternehmen unter Druck. OekoProOf entwickelt digitale Lösungen für energieintensive Branchen: Ein Planungstool optimiert die Chargenreihenfolge, senkt Energieverbrauch und CO₂-Ausstoß. Ein Transparenztool erfasst Emissionen auf Chargenebene und bildet die Grundlage für einen Digitalen Prozesspass.
Smart-E-Factory: Energieeffizienz durch KI und Gleichstrom

Smart-E-Factory: Energieeffizienz durch KI und Gleichstrom

Im Gespräch: Nissrin Perez, Jürgen Jasperneite und Holger Borcherding, Fraunhofer IOSB-INA
Der Einsatz des XGBoost-Verfahrens revolutioniert die Bedarfsprognose und Logistikplanung in der Supply Chain. Durch die präzise Vorhersage von Absatz- und Ressourcenschwankungen ermöglicht es Unternehmen, die Produktionsplanung und Logistik zu optimieren und zuverlässigere Entscheidungen zu treffen. In einem zunehmend dynamischen Marktumfeld steigert XGBoost die Effizienz und reduziert das Risiko von Fehlplanungen.
Ein Digitaler Zwilling für jedes Fertigungsprodukt

Ein Digitaler Zwilling für jedes Fertigungsprodukt

Datenräume und AAS-Standard revolutionieren die Industrie
In der Fertigungsindustrie steht ein Paradigmenwechsel bevor. Initiativen im Kontext von Industrie 4.0 und Manufacturing-X bieten eine größere Transparenz entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Dank objektzentrierter Datenhaltung können Hersteller künftig auf Einzelproduktebene denken und agieren. Der AAS-Datenstandard ermöglicht dabei einen eindeutigen Digitalen Schatten zu jedem gefertigten Produkt.