Herr Endress, was ist das Hauptziel der Bosch Rexroth Academy?
Unser Hauptziel ist die Weiterbildung und Befähigung von internen und externen Kunden im Bereich der digitalen Transformation zur Industrie 4.0 sowie der hydraulischen und elektrischen Antriebs- und Steuerungstechnik durch anwendungs- und zielorientierte Trainingsmodule. Dabei nutzen wir die umfangreiche Erfahrung der Bosch-Gruppe, um Wissens- und Applikationsvorsprung zu bieten.
Was macht gerade Ihr Angebot so einzigartig?
Der Smart Factory Campus nutzt die neuesten Industrie 4.0-Technologien und erfolgreichen Lösungsansätze, darunter Hardware von Sensorik bis IoT, Software wie MES, APIs oder Low-Code, Künstliche Intelligenz wie Data Prediction & Analytics und Services wie Workflow Management. Diese Technologien werden nicht nur theoretisch behandelt, sondern insbesondere praktisch in den Trainingsmodulen angewandt, um nachweislich Industrie 4.0 relevante Handlungs- und Problemlösungskompetenzen zu erlangen. Mit der Lernfabrik+ haben wir dazu eine modulare und realitätsnahe Trainingsumgebung etabliert, die es gestattet, industrielle Prozesse und Herausforderungen wie in der realen Produktionsumgebung zu simulieren und zu applizieren.

Dies ermöglicht den Lernenden, das Gelernte so zu vertiefen, dass die erlernten praktischen Fähigkeiten in deren Arbeitsumgebung direkt angewendet werden können. Das schafft nachweislich Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.
Im Vergleich zu Wettbewerbern bietet der Smart Factory Campus somit ein umfassenderes, flexibleres und technologisch fortschrittlicheres Lernerlebnis, das auf die Bedürfnisse moderner Unternehmen und ihrer Mitarbeiter zugeschnitten ist.
Was gefällt Kunden an Ihrem Angebot besonders gut?
Mit dem maximierten Realitätsbezug sorgen wir für hohe Anwendungsgeschwindigkeit. Unseren Kunden gefällt besonders die praxisnahe Ausrichtung der Trainings, die es ihnen ermöglicht, reale Problemstellungen abzubilden und sich die Lösungsansätze zu erarbeiten. Das verringert die Einarbeitungszeiten und beschleunigt die Umsetzung der Projekte beim Kunden.
Zudem bekommen wir viel positives Feedback zu unserer Lernumgebung, die es mit vielfältigen Kombinationsmöglichkeiten und der praxisnahen Ausstattung auch kleinen und mittleren Unternehmen ermöglicht, Einblicke in die neuesten Entwicklungen, IoT- und Softwareapplikationen, zu gewinnen und ihre Organisation der I40-Implementierung, CO2– und Energieeffizienzansätze sowie die Integration von Upgrade- und Modernisierungsmöglichkeiten näherzubringen.
Auf welche Funktionen Ihres Smart Factory Campus sind Sie besonders stolz?
Mit unserem KI-gestützten Learner Frontend zur individuellen Anpassung der Lernpfade und zur Bewertung der Vorkenntnisse der Lernenden sind wir stolz, einen fortschrittlichen Ansatz zu haben, der personalisiertes Lernen auf ein neues Niveau hebt. Damit bieten wir keine veralteten Lerninhalte, sondern schneiden die relevanten Inhalte individuell zu.
Dabei gilt die Maxime: So wenig Training wie möglich und so viel wie nötig, um die individuellen Ziele der Lernenden zu erreichen. Zudem sind wir stolz auf die vielen Möglichkeiten, den Smart Factory Campus der Bosch Rexroth Academy mit Drittprodukten zu koppeln. Dies wird durch die Verwendung offener Schnittstellen und standardisierter APIs ermöglicht, die eine Integration von Hardware und Softwarekomponenten verschiedener Hersteller unterstützen. Das ist besonders wertvoll, da es ermöglicht, eine breite Palette von Technologien und Lösungen in die Aus- und Weiterbildung einzubeziehen.
Dies fördert nicht nur das Verständnis für die Vielfalt der verfügbaren Industrie 4.0-Technologien, sondern bereitet die Lernenden auch darauf vor, mit einem breiten Spektrum von Systemen und Anwendungen in ihrer beruflichen Praxis zu arbeiten.
Solche Trainings kosten viel Geld – wie rechnet sich das für die Kunden?
Grundsätzlich kostet Training und Weiterbildung Geld, jedoch ist der Return of Investment in keinem Bereich so schnell wie in der Weiterbildung. Unsere Trainings ermöglichen den Endkunden spürbare Einsparungen in Zeit, Kosten und auch weicheren Faktoren wie im Change-Management, womit sich die initialen Aufwände in der Regel in unter sechs Monaten rechnen – beispielsweise durch eine erhöhte Rollout-Geschwindigkeit. Allein das Abgreifen des Wissensvorsprungs führender Industrien für die eigenen Geschäftsbedarfe wirkt wie ein Turbo für unsere Industriekunden.
Hierfür bieten wir zahlreiche Trainingsmodule zu den wichtigsten Lernthemen der Industrien ab, welche wir durch intensive Markt- und Bedarfsanalysen kontinuierlich aktualisieren und weiterentwickeln.

Jede Schulung muss und kann daher einen messbaren Zweck erfüllen. Schulungen an modernsten Industrie 4.0-Technologien und -Methoden sollten beispielsweise immer dazu führen, dass Kunden und Mitarbeiter ihre Aufgaben effizienter und effektiver erfüllen, was zu einer unmittelbaren und messbaren Produktivitätssteigerung führt – wie der Erhöhung der Gesamtanlageneffizienz.
Die Möglichkeit, neue Technologien und Prozesse in einer kontrollierten Umgebung zu testen, bevor sie in der realen Produktionsumgebung implementiert werden, reduziert das Risiko von Fehlern und Ausfallzeiten. Trainings, die auf Energieeffizienz und nachhaltige Praktiken ausgerichtet sind, können Unternehmen dabei helfen, ihre Betriebskosten zu senken und gleichzeitig ihre Umweltbilanz zu verbessern. Die schnelle Anpassung an technologische Veränderungen und die Fähigkeit, Mitarbeiter kontinuierlich weiterzubilden, sichern grundsätzlich die langfristige Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens.
Welche internationalen Trends und weitere Herausforderungen für produzierende Unternehmen sehen Sie?
Im Bereich der Weiterbildung für die digitale Transformation und Industrie 4.0 zeichnen sich mehrere internationale Trends ab. Lernen wird immer häufiger mit Künstlicher Intelligenz stattfinden, um personalisierte Lernerfahrungen zu schaffen. Mit Mikrolernen werden Lerninhalte an den individuellen Fortschritt und die Bedürfnisse der Lernenden angepasst, was zu flexibleren, effizienteren und effektiveren Lernprozessen führt.
Neben technischen Fähigkeiten werden insbesondere Soft-Skills entscheiden (beispielsweise kritisches Denken, Problemlösung, Anpassungsfähigkeit, Teamarbeit), um in einer von digitaler Transformation geprägten Arbeitswelt durch globale Vernetzung und Kollaboration erfolgreich sein zu können. Dazu gehört auch eine interdisziplinäre Hands-on-Mentalität und Ergebnisbezug. Kunden erwarten mehr direkte Einbindung in Entwicklungs- und Produktionsprozesse, beispielsweise durch Co-Creation-Workshops oder digitale Plattformen, um Produkte und Dienstleistungen besser auf individuelle Kundenbedürfnisse abstimmen zu können.
Produzierende Unternehmen müssen resilient gegenüber der konstanten und schnellen Veränderung werden. Der Schlüssel hierfür ist eine top ausgebildete Belegschaft. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, ist es entscheidend, dass Unternehmen eine Kultur der kontinuierlichen Verbesserung und des lebenslangen und zielorientierten Lernens fördern.
Herr Endress, vielen Dank für das Interview!
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