Produktionsplanung

Vom Methodentransfer zur internationalen Logistik

Im Gespräch mit Friedhelm Nyhuis, GTT Gesellschaft für Technologie Transfer mbH
07.06.2023
Lesedauer:  3 Minuten
Friedhelm Nyhuis, GTT mbH

GTT ist eine Kombination aus Softwarehaus und Beratungsunternehmen mit einem Fokus auf Planung und Steuerung der Auftragsabwicklung und der Materialflüsse in Produktionsunternehmen. Das Unternehmen wurde 1987 als Spin-off des Instituts für Fabrikanlagen und Logistik (IFA) der Leibniz Universität Hannover von Friedhelm Nyhuis gegründet, nachdem er dort acht Jahre als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Entwicklung von Monitoring- sowie Planungs- und Steuerungsmethoden mitgewirkt hatte. Factory Innovation sprach mit Friedhelm Nyhuis, dem geschäftsführenden Gesellschafter der GTT Gesellschaft für Technologie Transfer mbH.

Herr Nyhuis, herzlichen Glückwunsch! Die von GTT entwickelte Softwareplattform jFAST wurde gerade als Finalist des Factory Innovation Awards ausgezeichnet. Erzählen Sie uns bitte mehr über diese Auszeichnung.

Wir haben das jFAST-Konzept vor mehr als 10 Jahren als Konsequenz aus den Individualitätsanforderungen und den Digitalisierungsbestrebungen zum Thema Industrie 4.0 und Smart Factory entwickelt. jFAST sollte in Analogie zum Lego-Bausteinprinzip eine javabasierte Low-Code bzw. No-Code Softwareentwicklungsplattform sein, auf deren Basis Anwendungssoftware ohne direkte Programmierung erstellt werden kann. Mit Hilfe von jFAST können heute die Daten aus beliebigen heterogenen Datenquellen online erfasst, verknüpft und ausgewertet werden, ohne dass dafür eine Übernahme in ein Data Warehouse oder tiefergehende Programmierkenntnisse erforderlich sind.

Nachdem wir inzwischen mehr als 25 Kunden von unserem jFAST-Baukasten überzeugen konnten und mehrere der Kunden die Plattform auch für eigene Anwendungen nutzen, waren wir der Meinung, die jFAST-Software nun auch im Rahmen des Factory Innovation Awards in der Kategorie Plattform präsentieren zu können. Wir hatten uns bereits 2019 mit jFAST erfolgreich am Wettbewerb beteiligt und wurden damals mit unseren jFAST-Grafikbausteinen Sieger im Bereich Visualisierung.

Was sind die Ziele, die Sie mit GTT verfolgen?

Ziel der Gründung war es, die am IFA entwickelten Logistik-Methoden international zu verbreiten und weiterzuentwickeln. Der Schwerpunkt lag anfangs im Bereich der Beratung und des Transfers der Methoden in die industrielle Praxis.

Was gefällt Kunden an Ihrem Produkt besonders gut und was macht Ihr Angebot so einzigartig?

Den Kunden gefallen die vielfältigen Kennzahlen und Visualisierungsfunktionen, die eine totale Transparenz von inner- und überbetrieblichen Logistikprozessen schaffen sowie die Planungsmethoden, die im Sinne der TOC-Philosophie (Theorie of Constraints) aktuelle und potenzielle Engpässe der produktionslogistischen Ressourcen aufzeigen. Wir können aktuelle Unternehmensdaten für eine Testinstallation mit geringem Aufwand in unsere FAST-Software übernehmen und die Funktionalität der FAST-Software dann mit Echtdaten der Kunden vorstellen. Das Verbesserungspotenzial durch eine FAST-Einführung wird im selben Moment ersichtlich.

Bitte erzählen Sie uns noch mehr über die konkreten Vorteile für Ihre Kunden?

Die Kunden profitieren von der hohen Transparenz und der Ermittlung der wichtigsten Engpassressourcen. Durch aktives Engpassmanagement wird mit dem FAST-Einsatz die Liefertreue bezogen auf die zugesagten Liefertermine drastisch verbessert. Je nach Ausgangssituation können bei den Logistikzielgrößen Verbesserungen zwischen 5 Prozent (Produktivität) und 90 Prozent (Rückstand) erreicht werden.

Welche Bedeutung nehmen Ihre Produkte in der vernetzten Fabrik ein?

jFAST dient einerseits als Integrationsplattform für Digitalisierungsprojekte in heterogenen IT-Systemlandschaften und bietet andererseits als universelle Entwicklungsplattform viele Funktionsbausteine aus den Bereichen MES, APS, BDE, Personalplanung und Ressourcenverwaltung.

Wie wollen Sie zukünftig auf dem Markt wahrgenommen werden?

Wir sehen uns als Baustein-Lieferant für APS-, MES- und Smart-Factory-Systeme sowie als Low-Code-Entwicklungs- und Integrationsplattform für IoT- bzw. Industrie 4.0- und Smart-Factory- Anwendungen.

Herr Nyhuis, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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