Nachhaltigkeit

Von der Meeresküste zur Fabrik der Zukunft

Portugals Expo-Pavillon als Vorbild für zirkuläres Design und maritime Ressourcennutzung
30.07.2025 - von Redaktion FI
Lesedauer:  4 Minuten
Portugals Expo-Pavillon als Vorbild für zirkuläres Design und maritime Ressourcennutzung
© AICEP

Mit seinem Auftritt auf der Expo 2025 zeigt Portugal, wie maritime Nachhaltigkeit und technologische Innovation miteinander verbunden werden können. Als Land mit enger historischer, kultureller und wirtschaftlicher Verbindung zum Meer sieht Portugal die Ozeane als zentrales Element eines nachhaltigen und widerstandsfähigen Lebensstils. Der nationale Pavillon verbindet Architektur, Forschung und Wirtschaft zu einem Konzept, das neue Impulse für Klimaschutz, Energiewende und die Nutzung mariner Ressourcen setzt und sich an den UN-Zielen für Leben unter Wasser (SDG 14) und saubere Energie (SDG 7) orientiert.

Architektur und Gestaltung des portugiesischen Pavillons

Portugal Expo Logo

Ein zentrales Highlight des Pavillons ist seine einzigartige Architektur. Die „Floating Wave“-Struktur von Kengo Kuma nutzt recycelte Fischernetze und Schiffstaue, um die Bewegung von Wellen zu simulieren. Damit wird Portugals tiefe Verbindung zum Meer symbolisiert. Im Inneren erwartet die Besucher eine emotionale Reise rund um das Thema Ozean als Ort der Erinnerung, Verantwortung und Vorstellungskraft. Zudem bietet der Pavillon Raum für wechselnde Ausstellungen, Workshops und Sinneserfahrungen, die Innovation und kulturelles Erbe verbinden.

Die Expo ist eine internationale Weltausstellung, die 2025 in Osaka, Japan, stattfand. Sie widmete sich Zukunftstechnologien und gesellschaftlicher Innovation. Weltausstellungen ermöglichen Ländern, ihre Kultur und Visionen zu präsentieren. Die nächste World Expo findet 2027 in Belgrad, Serbien, unter dem Motto „Play for Humanity: Sport und Musik für alle“ statt.

Die Sustainable Development Goals (SDGs) sind 17 globale Ziele der Vereinten Nationen für eine nachhaltige Entwicklung. SDG 14 fördert den Schutz der Ozeane und Meeresressourcen, SDG 7 setzt sich für den Ausbau sauberer und nachhaltiger Energiequellen ein.

Persönliche Höhepunkte des Kurators

Für Bernardo Amaral, Direktor des Pavillons, stechen besonders drei Aspekte hervor:

  • Das Thema „Ocean Blue Dialogue“ und die architektonische Umsetzung mit 9.974 maritimen Tauen, die wie Wellen im Wind tanzen.
  • Die konsequente thematische Gestaltung in Architektur, Ausstellung, Shop (mit nachhaltigen Produkten) und Restaurant (dem einzigen mit frischem Fisch auf der Expo).
  • Ein multifunktionaler Raum, in dem 178 portugiesische Akteure vertreten sein werden – darunter Städte, Universitäten, Unternehmen, Künstler und Architekten.

Kork ist ein natürlicher, biologisch abbaubarer und recycelbarer Werkstoff, der in Portugal traditionell genutzt wird. Er ist leicht, langlebig und umweltfreundlich, weshalb er ideal für nachhaltiges Bauen und Design ist.

Portugals Engagement für die Meere

Portugal versteht seine Verantwortung für den Ozean nicht nur symbolisch, sondern auch strategisch als „Blue Economy“. Das Land verwaltet 48 % der EU-Meerflächen und besitzt eine Ausschließliche Wirtschaftszone (AWZ) von 1,7 Millionen km². Mehr als 16,9 % dieser Flächen sind bereits als Meeresschutzgebiete ausgewiesen. Besonders hervorzuheben ist das größte Schutzgebiet des Nordatlantiks rund um die Azoren mit 300.000 km².

Die Blue Economy bezeichnet eine Wirtschaftsform, die die Nutzung der Meere mit dem Ziel verbindet, natürliche Ressourcen nachhaltig zu bewahren und gleichzeitig wirtschaftliches Wachstum zu fördern.

Auch wirtschaftlich spielt die Meereswirtschaft eine zentrale Rolle. Fischerei, Küstentourismus und Seetransport beschäftigen rund 153.000 Menschen und tragen über 3,3 Milliarden Euro zur Bruttowertschöpfung bei. Portugal treibt zudem den Ausbau erneuerbarer Energien voran, insbesondere Offshore-Windkraft, und plant, seine Kontinentalsockel-Zone auf 4,1 Millionen km² auszuweiten. Diese Ziele werden durch Softwarelösungen wie ANSYS und OpenFOAM von Unternehmen wie WavEC unterstützt, die Echtzeit-Daten und Simulationen für den Schutz und die Planung mariner Systeme bereitstellen.

Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft im Pavillon

Der portugiesische Pavillon ist ein Musterbeispiel für Kreislaufwirtschaft. Es kommen recycelte Fischernetze und modulare Bauelemente zum Einsatz, die nach der Expo wiederverwendet oder umfunktioniert werden können. Die ikonischen maritimen Taue werden nach der Expo von portugiesischen und japanischen Künstlern zu Kunstwerken verarbeitet und an japanische Städte verschenkt. Außerdem spielt das nachhaltige Naturmaterial Kork, das biologisch abbaubar und recycelbar ist, eine wichtige Rolle im Bau und Design. Das Gebäude nutzt Tageslicht und natürliche Belüftung optimal, um Energie zu sparen.

Eine persönliche Anekdote

Im Juni 2023 traf Bernardo Amaral in einer Galerie in Tokio auf den renommierten Architekten Kengo Kuma. Nur drei Tage vor Ablauf des internationalen Wettbewerbs für den Pavillon sprach Amaral ihn auf die Ausschreibung an. Kuma lächelte, verriet jedoch nicht, dass sein Büro bereits an einem Entwurf arbeitete. Drei Tage später wurde genau dieser Entwurf eingereicht und schließlich zum Gewinner gekürt.

Portugals Botschaft an die Welt

Abschließend betont Amaral: „Portugal ist ein Land, das sich dem Schutz der Ozeane sowie ihrer nachhaltigen und verantwortungsvollen Nutzung verpflichtet fühlt – immer mit Blick auf unsere Umwelt, Kultur und Wirtschaft.“ Er wünscht sich, dass sein Land künftig als Nation mit Gewissen und Kreativität wahrgenommen wird, die fest in ihren Traditionen verwurzelt ist und gleichzeitig mutig nach vorn blickt in Harmonie mit einem der größten Lebensspender unserer Welt, dem Ozean.

Bernardo Amaral © AICEP

Bernardo Amaral ist Direktor der Abteilung für Weltausstellungen bei AICEP und koordiniert Portugals Beitrag zur Expo 2025 in Osaka. Zuvor war er diplomatischer Berater von sechs portugiesischen Premierministern und wurde für seine Verdienste um die Diplomatie von Spanien und Chile ausgezeichnet. © AICEP


Das könnte Sie auch interessieren

Von vertrauenswürdigen Daten zur Materialrückgewinnung

Von vertrauenswürdigen Daten zur Materialrückgewinnung

Technologische Bausteine für eine zirkuläre Wertschöpfung
Zirkuläre Wertschöpfung braucht verlässliche Produktinformationen und Verfahren zur gezielten Materialrückgewinnung. Doch Daten liegen oft unstrukturiert vor, Lieferketten sind schwer nachvollziehbar und Altgeräte enthalten wertvolle Rohstoffe in komplexen Materialverbünden. Praxisnahe Demonstratoren zeigen, wie KI, Blockchain und robotisierte Verfahren diese Hürden überwinden und Materialkreisläufe schließen.
Remanufacturing als Produktion des 21. Jahrhunderts

Remanufacturing als Produktion des 21. Jahrhunderts

Neue Wertschöpfung durch ein zweites Produktleben
Erfahren Sie, wie Unternehmen mit Remanufacturing aus gebrauchten Produkten und Komponenten neue Wertschöpfung schaffen und gleichzeitig Kosten, Materialeinsatz und Umweltwirkung deutlich reduzieren können. Interessante Praxisbeispiele aus Maschinenbau, Automotive und weiteren Branchen zeigen, wie sich durch industrielle Aufbereitung in „Qualität wie Neu“ Wettbewerbsvorteile, resilientere Lieferketten und eine langfristige Kundenbindung erreichen lassen.
Kunststoff als Schlüssel für die Kreislaufwirtschaft

Kunststoff als Schlüssel für die Kreislaufwirtschaft

Interview mit PlasticsEurope Deutschland e. V. | Wie aus Innovationen industrielle Wirklichkeit werden kann
Deutschland verfügt im Bereich der Kunststoffindustrie über eine exzellente Forschungslandschaft und eine starke industrielle Basis. Dennoch gelingt es häufig nicht schnell genug, neue Kunststofftechnologien aus Laboren und Pilotanlagen in großtechnische industrielle Anwendungen zu überführen. Gerade im Bereich der Kreislaufwirtschaft zeigt sich diese Herausforderung besonders deutlich. Worauf kommt es beim Zusammenspiel zwischen Produzenten, Lieferketten, Politik und Gesellschaft an?
Mehr Flexibilität, geringere Stromkosten?

Mehr Flexibilität, geringere Stromkosten?

Was volatile Strommärkte für die Energiebeschaffung im Mittelstand bedeuten
Energiekosten sind für den deutschen Mittelstand zur größten unternehmerischen Belastung geworden – noch vor Fachkräftemangel und schwacher Konjunktur. Das zeigt der Energie-Monitor Mittelstand 2026, für den mehrere Hundert Entscheider aus energieintensiven Branchen befragt wurden. Wie lassen sich diese Ergebnisse in den Kontext eines Strommarkts einordnen, der durch den wachsenden Anteil erneuerbarer Energien und teils negative Börsenpreise immer volatiler wird?
Nachhaltige Produktentwicklung durch „Reduce by Design“

Nachhaltige Produktentwicklung durch „Reduce by Design“

Zirkuläre Produkte als Zukunftsmotor der Automobilindustrie
Die zunehmenden regulatorischen Anforderungen der EU an Kreislaufwirtschaft und nachhaltige Produktentwicklung stellen die Automobilindustrie vor die Aufgabe, Nachhaltigkeit bereits frühzeitig im Produktlebenszyklus zu verankern. Insbesondere Vorgaben zu Rezyklatquoten, Extended Producer Responsibility und zirkulärem Design erweitern die Verantwortung der Hersteller von der Fahrzeugentwicklung bis zum Ende der Nutzungsdauer. Gleichzeitig eröffnen diese Anforderungen erhebliche Potenziale für die Reduktion von CO₂-Emissionen, den effizienteren Einsatz von Ressourcen und eine höhere Resilienz von Lieferketten. Der Beitrag zeigt, wie Ansätze wie Reduce by Design, Remanufacturing by Design und Zero Impact Products in die Produktentwicklung integriert werden können.
Smart Factory trifft Circular Economy

Smart Factory trifft Circular Economy

Produktionskreisläufe mit Robotik und immersiven Technologien schließen
Die Smart Factory entwickelt sich zunehmend zur Circular Factory, in der digitale Technologien nicht nur Produktivität und Effizienz steigern, sondern auch Ressourcen schonen und Kreisläufe schließen. Wie kann Industrie 4.0 diese Entwicklung unterstützen? KI-gestützte Robotik und immersive Technologien ermöglichen bereits heute signifikante Prozessverbesserungen entlang des gesamten Produktlebenszyklus. Entscheidend dabei ist ihr zielgerichteter Einsatz.