Mit seinem Auftritt auf der Expo 2025 zeigt Portugal, wie maritime Nachhaltigkeit und technologische Innovation miteinander verbunden werden können. Als Land mit enger historischer, kultureller und wirtschaftlicher Verbindung zum Meer sieht Portugal die Ozeane als zentrales Element eines nachhaltigen und widerstandsfähigen Lebensstils. Der nationale Pavillon verbindet Architektur, Forschung und Wirtschaft zu einem Konzept, das neue Impulse für Klimaschutz, Energiewende und die Nutzung mariner Ressourcen setzt und sich an den UN-Zielen für Leben unter Wasser (SDG 14) und saubere Energie (SDG 7) orientiert.
Architektur und Gestaltung des portugiesischen Pavillons

Ein zentrales Highlight des Pavillons ist seine einzigartige Architektur. Die „Floating Wave“-Struktur von Kengo Kuma nutzt recycelte Fischernetze und Schiffstaue, um die Bewegung von Wellen zu simulieren. Damit wird Portugals tiefe Verbindung zum Meer symbolisiert. Im Inneren erwartet die Besucher eine emotionale Reise rund um das Thema Ozean als Ort der Erinnerung, Verantwortung und Vorstellungskraft. Zudem bietet der Pavillon Raum für wechselnde Ausstellungen, Workshops und Sinneserfahrungen, die Innovation und kulturelles Erbe verbinden.
Expo-Weltausstellungen
Die Expo ist eine internationale Weltausstellung, die 2025 in Osaka, Japan, stattfand. Sie widmete sich Zukunftstechnologien und gesellschaftlicher Innovation. Weltausstellungen ermöglichen Ländern, ihre Kultur und Visionen zu präsentieren. Die nächste World Expo findet 2027 in Belgrad, Serbien, unter dem Motto „Play for Humanity: Sport und Musik für alle“ statt.
UN-Nachhaltigkeitsziele
Die Sustainable Development Goals (SDGs) sind 17 globale Ziele der Vereinten Nationen für eine nachhaltige Entwicklung. SDG 14 fördert den Schutz der Ozeane und Meeresressourcen, SDG 7 setzt sich für den Ausbau sauberer und nachhaltiger Energiequellen ein.
Persönliche Höhepunkte des Kurators
Für Bernardo Amaral, Direktor des Pavillons, stechen besonders drei Aspekte hervor:
- Das Thema „Ocean Blue Dialogue“ und die architektonische Umsetzung mit 9.974 maritimen Tauen, die wie Wellen im Wind tanzen.
- Die konsequente thematische Gestaltung in Architektur, Ausstellung, Shop (mit nachhaltigen Produkten) und Restaurant (dem einzigen mit frischem Fisch auf der Expo).
- Ein multifunktionaler Raum, in dem 178 portugiesische Akteure vertreten sein werden – darunter Städte, Universitäten, Unternehmen, Künstler und Architekten.
Kork als nachhaltiges Material
Kork ist ein natürlicher, biologisch abbaubarer und recycelbarer Werkstoff, der in Portugal traditionell genutzt wird. Er ist leicht, langlebig und umweltfreundlich, weshalb er ideal für nachhaltiges Bauen und Design ist.
Portugals Engagement für die Meere
Portugal versteht seine Verantwortung für den Ozean nicht nur symbolisch, sondern auch strategisch als „Blue Economy“. Das Land verwaltet 48 % der EU-Meerflächen und besitzt eine Ausschließliche Wirtschaftszone (AWZ) von 1,7 Millionen km². Mehr als 16,9 % dieser Flächen sind bereits als Meeresschutzgebiete ausgewiesen. Besonders hervorzuheben ist das größte Schutzgebiet des Nordatlantiks rund um die Azoren mit 300.000 km².
Blue Economy
Die Blue Economy bezeichnet eine Wirtschaftsform, die die Nutzung der Meere mit dem Ziel verbindet, natürliche Ressourcen nachhaltig zu bewahren und gleichzeitig wirtschaftliches Wachstum zu fördern.
Auch wirtschaftlich spielt die Meereswirtschaft eine zentrale Rolle. Fischerei, Küstentourismus und Seetransport beschäftigen rund 153.000 Menschen und tragen über 3,3 Milliarden Euro zur Bruttowertschöpfung bei. Portugal treibt zudem den Ausbau erneuerbarer Energien voran, insbesondere Offshore-Windkraft, und plant, seine Kontinentalsockel-Zone auf 4,1 Millionen km² auszuweiten. Diese Ziele werden durch Softwarelösungen wie ANSYS und OpenFOAM von Unternehmen wie WavEC unterstützt, die Echtzeit-Daten und Simulationen für den Schutz und die Planung mariner Systeme bereitstellen.
Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft im Pavillon
Der portugiesische Pavillon ist ein Musterbeispiel für Kreislaufwirtschaft. Es kommen recycelte Fischernetze und modulare Bauelemente zum Einsatz, die nach der Expo wiederverwendet oder umfunktioniert werden können. Die ikonischen maritimen Taue werden nach der Expo von portugiesischen und japanischen Künstlern zu Kunstwerken verarbeitet und an japanische Städte verschenkt. Außerdem spielt das nachhaltige Naturmaterial Kork, das biologisch abbaubar und recycelbar ist, eine wichtige Rolle im Bau und Design. Das Gebäude nutzt Tageslicht und natürliche Belüftung optimal, um Energie zu sparen.
Eine persönliche Anekdote
Im Juni 2023 traf Bernardo Amaral in einer Galerie in Tokio auf den renommierten Architekten Kengo Kuma. Nur drei Tage vor Ablauf des internationalen Wettbewerbs für den Pavillon sprach Amaral ihn auf die Ausschreibung an. Kuma lächelte, verriet jedoch nicht, dass sein Büro bereits an einem Entwurf arbeitete. Drei Tage später wurde genau dieser Entwurf eingereicht und schließlich zum Gewinner gekürt.
Portugals Botschaft an die Welt
Abschließend betont Amaral: „Portugal ist ein Land, das sich dem Schutz der Ozeane sowie ihrer nachhaltigen und verantwortungsvollen Nutzung verpflichtet fühlt – immer mit Blick auf unsere Umwelt, Kultur und Wirtschaft.“ Er wünscht sich, dass sein Land künftig als Nation mit Gewissen und Kreativität wahrgenommen wird, die fest in ihren Traditionen verwurzelt ist und gleichzeitig mutig nach vorn blickt in Harmonie mit einem der größten Lebensspender unserer Welt, dem Ozean.
Bernardo Amaral

Bernardo Amaral ist Direktor der Abteilung für Weltausstellungen bei AICEP und koordiniert Portugals Beitrag zur Expo 2025 in Osaka. Zuvor war er diplomatischer Berater von sechs portugiesischen Premierministern und wurde für seine Verdienste um die Diplomatie von Spanien und Chile ausgezeichnet. © AICEP
