Technologien, Qualifizierung

Mobile Computer für den demografischen Wandel in der Arbeitswelt

Fragestellungen und Handlungsfelder in Wissenschaft und Technik
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©AdobeStock/ipopba
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Verminderte Leistungsfähigkeit und Sinnesschärfen älterer Beschäftigter müssen von Unternehmen im zunehmenden Maße durch eine gezielte (informations-)technische Unterstützung kompensiert werden. Bislang ist allerdings der Beitrag, den Technologien des Ambient Assisted Working für die soziale und ökonomische Teilhabe älterer Arbeitnehmer im Arbeitsmarkt leisten können, unklar. Eine empirische Studie zum Potenzial von mobilen Computertechnologien wird derzeit im Projekt EUNA durchgeführt und soll hierzu gesicherte Erkenntnisse bringen und geeignete Handlungsfelder identifizieren.

Die Einbettung von Technologien in Arbeitsprozesse und -umgebungen wird als „Ambient Assisted Working“ (AAW) bezeichnet [1, 2]. AAW stellt die Adaption des Forschungs- und Entwicklungsfelds „Ambient Assisted Living“ (AAL) auf die Arbeitswelt dar.

Im Hinblick auf den demografischen Wandel, der sich in der Arbeitswelt insbesondere durch eine zunehmende Anzahl älterer Arbeitnehmer bemerkbar macht [3], stellt sich die Frage nach den Möglichkeiten zur technologischen Unterstützung älterer Arbeitnehmer durch AAW. Vom AAL wird allgemein eine höhere Unabhängigkeit bzw. Lebensqualität für ältere Menschen erwartet, wobei jedoch durch deren heterogene, individuell sehr verschiedene Bedürfnisse auch Schwierigkeiten im Einsatz erwartet werden [4].

Diese Fragestellung soll in diesem Beitrag insbesondere unter dem Blickwinkel der Mitführung von mobilen Computersystemen oder deren Integration in die Arbeitskleidung betrachtet werden. Diese stellen eine in diesem Zusammenhang spezielle Fusion der Begriffe der altersgerechten Assistenzsysteme [1] sowie der interaktiven, elektronischen Textilien [5] bzw. des „Wearable Computing“ [6] dar und umfassen z. B. Mikroprozessoren, Speicher-Chips, Ein- und Ausgabegeräte wie Display, Touchscreen, Tastatur, Sensoren, optische oder elektrisch leitfähige Fasern sowie die auf diesen Komponenten installierte Software [7]. Durch die unmittelbare Bindung adaptiver Informations- und Kommunikationstechnologien an den Beschäftigten soll sichergestellt werden, dass eine an die individuellen Bedürfnisse des Arbeitnehmers angepasste Technologieunterstützung permanent verfügbar ist. Dabei soll der Mitarbeiter jedoch nicht entmündigt oder in seiner Selbstständigkeit beeinträchtigt werden.

Die Frage nach dem Potenzial umgebungsintegrierter Computertechnologie zur Unterstützung der durch den demografischen Wandel bedingten, zunehmenden Anzahl älterer Arbeitnehmer stellt sich insbesondere auch für produktionsorientierte Branchen, wie z. B. die Automobil- oder die Maschinenbauindustrie, als auch für die logistikorientierten Dienstleister. Die Arbeitsumgebungen in diesen Branchen sind häufig von einem komplexen und herausfordernden Zusammenspiel sowohl kognitiver als auch physischer bzw. physiologischer Beanspruchungen geprägt. Beispielhaft für Prozesse mit solchen Beanspruchungen sind die Bedienung komplexer Maschinen und Anlagen bzw. manuelle Bearbeitungs-, Handhabungs- oder Kommissionierprozesse zu nennen [8, 9].

Der Beitrag erörtert die offenen Fragestellungen hinsichtlich des Potenzials umgebungsintegrierter Computertechnologiekomponenten zur Unterstützung älterer Arbeitnehmer und stellt ein Projekt vor, welches sich der empirischen Erforschung des aktuellen Stands und der zukünftigen Relevanz des Themas in produktions- und logistikorientierten Branchen widmet.

Bild 1: Anteil von Arbeitnehmern über 60 Jahrenan den sozialversicherungspflichtigen Gesamtbeschäftigten [3]

Möglichkeiten zur Unterstützung durch AAW

Die Gruppe der Arbeitnehmer über 60 Jahre weist nach der Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit seit mehreren Jahren ein starkes Wachstum auf (Bild 1). In dem Zeitraum von Juni 2008 bis Juni 2013 stieg die Anzahl der Arbeitnehmer über 60 Jahre jährlich um mindestens 8,5 % bis zu 12,5 % an, sodass sie sich in diesem Zeitraum von ca. 914.000 Personen auf ca. 1.787.000 Personen nahezu verdoppelte. Mit Bezug auf die demografische Entwicklung und die seit 2012 erfolgende, schrittweise Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre ist von einer weiteren Vergrößerung dieser Altersgruppe unter den Beschäftigten auszugehen [3].

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