Herr Herzog, was macht die Abteilung Informationsmanagement und Leittechnik im Fraunhofer IOSB?
Wir entwickeln anwendungsnahe IT-Lösungen in Zusammenarbeit mit der Industrie, öffentlichen Einrichtungen und Standardisierungsgremien. Dabei sind wir als Fraunhofer gemeinnützig und unabhängig.
Was genau verstehen Sie dabei unter einer IT-Lösung?
Für uns muss eine IT-Lösung immer auf einer soliden Architektur aufbauen, die im Idealfall offen und in der jeweiligen Anwendungsdomäne gut verankert ist. Wichtig ist natürlich die Praxistauglichkeit, die wir in der Regel durch ein oder mehrere Pilot-Implementierungen sicherstellen. So war es auch bei DiSC, dem „Digital Sustainable Supply Chain“-Ecosystem, unserer Implementierung eines resilienten, nachhaltigen Produktionsökosystems.

DiSC ist aus der „Smart Factory Web“-Architektur, einem vom Industry IoT Consortium (IIC) ausgezeichneten Testbed entstanden und wurde nun im Catena-X.Projekt für den Automobilbereich weiterentwickelt. Es steht heute vor der Markteinführung.
Auf welche Funktionen Ihrer Software DiSC sind Sie besonders stolz?
Das Innovative an unserem DiSC-Ökosystem ist seine modulare Architektur, die auf digitalen Diensten und Industrie 4.0-Standards basiert. Durch diese offene Struktur entsteht eine föderale „Manufacturing as a Service“ (MaaS)-Infrastruktur, die sich mit anderen Dienstleistern und Anbietern oder sogar ganzen Datenräumen vernetzen kann. Dadurch schaffen wir Mehrwerte – sei es durch Ergänzungen oder im Wettbewerb.
Wo können Sie besonders gut Vorteile für Ihre Kunden erzielen, und wie können Sie vom DiSC-Ökosystem profitieren?
Grundsätzlich ist unsere Lösung domänenunabhängig. DiSC eignet sich aber besonders für die Fertigungsindustrie mit komplexen Lieferketten.
Besonders profitieren können kleine und mittlere Unternehmen, um einfach mit ihren vorhandenen Dienstleistungen und Informationen an industriellen Datenräumen zu partizipieren.
Welche Rolle spielt dabei Künstliche Intelligenz?
Eine zunehmend dominante Rolle. Moderne Produktionsnetzwerke stützen sich auf Datenräume, die aus sehr vielen Ebenen mit sehr großen Mengen an Daten und Dokumenten in unterschiedlichsten Formaten bestehen. Daraus Muster zu erkennen und Empfehlungen zu generieren, ist eine der Stärken von Verfahren aus dem Bereich der generativen KI. Damit können digitale Produktpässe erstellt und gepflegt oder auch die Risiken und Nachhaltigkeit von Lieferketten bewertet werden.
Wie helfen Sie Ihren Kunden, mit Lieferengpässen bei Materialien und stark schwankenden Energiepreisen zurechtzukommen?
Wir beobachten mit DiSC aktuelle Markteinflüsse aus Umwelt, Gesellschaft oder Politik und werten diese automatisiert aus. Dadurch werden mögliche Auswirkungen auf Preisentwicklungen oder Transporteinschränkungen frühzeitig erkannt, betroffene Stellen in den Lieferketten identifiziert und mögliche Alternativen präventiv vorgeschlagen. Wir sehen darin Schlüsselelemente für ein widerstandsfähiges und nachhaltiges Ökosystem.
Was bedeutet diese Auszeichnung für Sie?
Es ist vor allem eine Anerkennung unserer langjährigen, zielgerichteten Entwicklungsarbeit, die uns sehr stolz macht. Aber es ist für uns auch eine Bestätigung für die Vision, die hinter der DiSC-Implementierung steht. Eine Vision, die wir gemeinsam mit unseren Partnern entwickelt haben und aktuell in weiteren nationalen und auch internationalen Projekten weiterentwickeln.
Vielen Dank für das Gespräch, Herr Herzog!
Überblick über alle Sieger und Finalisten beim Factory Innovation Award 2024
Hier Videos der digitalen Pitches ansehen
