Industrie 4.0

Prozess-Monitoring und -Steuerung unter Einsatz mobiler Endgeräte

Ein Ansatz zur Implementierung
Lesedauer:  3 Minuten
Prozess-Monitoring und -Steuerung unter Einsatz mobiler Endgeräte
©AdobeStock/ipopba

Durch Verwendung mobiler Endgeräte werden Bediener bei ihren Tätigkeiten unterstützt, ohne bei der Durchführung von Kernaufgaben abgelenkt zu werden. Dafür müssen diese Geräte verschiedene, auf den Benutzer abgestimmte Informationen und Dienste bedarfsgerecht bereitstellen. Ein Praxisbeispiel aus der Wellpappenindustrie zeigt die Vorteile des Einsatzes mobiler Endgeräte im Produktionsumfeld auf.

Unter dem Begriff „Industrie 4.0“ wird die vollständige informationstechnische Durchdringung der Produktion verstanden. Die voranschreitende Entwicklung von Konzepten und Systemen zur Nutzung digitaler Informationen im industriellen Umfeld eröffnet verschiedenste Möglichkeiten zur Optimierung der Informationsverarbeitung und damit zur Steigerung der Prozesseffizienz [2].

Des Weiteren implizieren Industrie 4.0-Konzepte eine Abkehr von vollständig zentralisierten Anlagensteuerungskonzepten hin zu einer flexiblen, dezentralen Produktionssteuerung [1]. Die durch die Industrie 4.0-Initiative geförderte Verschmelzung von Produktion und Informationstechnologie führt im zukünftigem Produktionsumfeld zu einer Allgegenwärtigkeit von rechnergestützten Informationsverarbeitungssystemen, die unter dem Begriff „Ubiquitous Computing“zusammengefasst werden.

In der Produktion wird darunter auch die Vernetzung von Produktionsmaschinen und übergeordneten Informationssystemen verstanden, so dass sämtliche produktionsbeteiligte Objekte über eine mobile Infrastruktur untereinander kommunizieren und interagieren können. Prozessrelevante Informationen lassen sich so in Echtzeit erfassen, wodurch Prozesse entlang der gesamten Wertschöpfungskette effizient gestaltet werden können [3].

Zur Realisierung dieser Ansätze werden auch Wearable Computing Systeme („Wearables“), wie Smartphones oder Smartwatches, eingesetzt [3]. Durch die Verwendung dieser mobilen Endgeräte („Smart Devices“) wird der Bediener bei seinen Tätigkeiten unterstützt, ohne bei der Durchführung seiner Kernaufgaben durch zusätzlichen Aufwand abgelenkt zu werden. Dieser Aufwand kann beispielsweise in der Beschaffung von Prozess- oder Anlageninformationen bestehen oder in notwendigen Ortswechseln zwischen verschiedenen Bedien-panels. Wearables müssen dabei verschiedene, auf den jeweiligen Benutzer abgestimmte Informationen und Dienste bedarfsgerecht bereitstellen.

Ana Paula Aires Silva, Andreas Ermer, Arnim Reger, Stefan Schönig,
Prozess-Monitoring und -Steuerung unter Einsatz mobiler Endgeräte:
Ein Ansatz zur Implementierung
Bild 1: Architektur einer digitalen Fertigungsstätte unter Einsatz mobiler Endgeräte

Prozess-Monitoring und -Steuerung

Über mobile Geräte, wie Tablets, Smartphones und Smartwatches ist die Überwachung und Steuerung von Produktionsprozessen und -anlagen schon heute möglich. Die Nutzung von mobilen Endgeräten zur Mensch-Maschine-Interaktion von Produktionsanlagen und Maschinenbediener führt zu einer Steigerung der Flexibilität und der Prozesstransparenz. Somit können die Maschinenproduktivität, die Anlagenverfügbarkeit und die Qualität gesteigert werden, was zu einer nachhaltigen Erhöhung der Gesamtanlageneffektivität (OEE) führt.

Durch eine vollständige Vernetzung der Produktion können relevante Prozess- und Anlagendaten erfasst und strukturiert gespeichert werden. Der Einsatz industrieller M2M-Kommunikationsprotokolle und Schnittstellen stellt eine weltweite Verfügbarkeit der Daten auf Prozess- und Werksebene sicher. Mobile Geräte verwenden diese standardisierten, webbasierten Schnittstellen zum Zugriff auf erfasste Anlagendaten und stellen darauf basierend eine Vielzahl an Funktionen bereit: (i) Anzeige und Quittierung von Alarm- und Fehlermeldungen; (ii) Beobachtung von Statusinformationen und Prozessparametern verschiedener Produktionsmodule; (iii) Visualisierung historischer Prozessdaten und darauf aufbauende statistische Prozesskontrollverfahren (z. B. Nelson-Regeln) und (iv) Kommunikation zwischen Bedienern.

Das zuständige Bedienungs- und Wartungspersonal kann Alarmmeldungen oder Tätigkeitsanweisungen der Produktionsanlage in Echtzeit auf dem Smartphone oder der Smartwatch ablesen. Diese Meldungen und Anweisungen werden visuell, akustisch und bei lauten Prozessumgebungen mittels haptischen Signalen in Form eines Vibrationsalarms an die zuständigen Mitarbeiter weitergeleitet. Über konfigurierbare Benutzer- und Prioritätsgruppen können Produktions- und Schichtleiter, Anlagenbediener sowie Wartungspersonal gezielt auf Störungen und veränderte Situationen reagieren.

Das könnte Sie auch interessieren

Industrie 4.0 bleibt der Leitstern der Produktion

Industrie 4.0 bleibt der Leitstern der Produktion

Smart Factory, KI-Hype und die Zukunft autonomer Produktionssysteme
Deutschland gilt als einer der Pioniere der Industrieautomatisierung. Gleichzeitig verändern Digitalisierung, KI und geopolitische Verschiebungen die industrielle Landschaft rasant. Prof. Dr. Dr. h.c. Detlef Zühlke gehört zu den Vordenkern der Smart Factory. Im Interview spricht er über die Ursprünge von Industrie 4.0, die Herausforderungen für den Mittelstand und die Zukunft autonomer Produktionssysteme.
Industrie 5.0 – Buzzword oder Paradigmenwechsel?

Industrie 5.0 – Buzzword oder Paradigmenwechsel?

Neue Entscheidungslogik als Schlüssel für smarte Produktion
Industrie 5.0 wird kontrovers diskutiert: Paradigmenwechsel oder neues Label für Industrie 4.0? Eines ist klar: Für Smart Manufacturing braucht es mehr als intelligente Maschinen – nämlich intelligente Entscheidungsarchitekturen. Die Zusammenarbeit von Autonomie, Eskalation und dem Menschen im Regelkreis entscheidet darüber, ob industrielle Systeme verantwortbar, resilient und nachvollziehbar handeln können.
Schlüssel zu mehr Leistung – smart, prädiktiv, vernetzt

Schlüssel zu mehr Leistung – smart, prädiktiv, vernetzt

Autonomous Factory Concept: Auf dem Weg zur selbstoptimierenden Fertigung
In der Elektronikfertigung treffen steigende Variantenvielfalt und volatile Lieferketten auf hohe Qualitätsziele. Damit Prozesse stabil und effizient bleiben, greifen KI-gestützte Systeme ein: Sie überwachen Materialflüsse, erkennen Abweichungen und planen Wartung vorausschauend. Das Autonomous Factory Concept von Panasonic weist den Weg zur adaptiven Produktion.
Wertschöpfung 4.0 – Der Batteriepass als Gamechanger

Wertschöpfung 4.0 – Der Batteriepass als Gamechanger

Nachhaltiges Supply Chain Management durch Digitale Zwillinge
Batterien sind die treibende Kraft der modernen Welt. Sie stecken in Smartphones ebenso wie in Elektrofahrzeugen, und der weltweite Bedarf steigt stetig. Gleichzeitig gilt es, Ressourcenknappheit zu bewältigen und eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft zu schaffen. Ein wichtiger Schritt ist der Digitale Produktpass für Batterien, der ab Februar 2027 verpflichtend wird und Unternehmen vor große Herausforderungen stellt.
„Technologien müssen zu einem Ganzen synthetisiert werden“

„Technologien müssen zu einem Ganzen synthetisiert werden“

Im Gespräch mit Uta Groß, Associate Director bei Verizon Business
Digitale Technologien transformieren die Produktion, verändern Arbeitsplätze und definieren Wettbewerbsvorteile neu. Während die Landschaft der IT-Trends unübersichtlicher wird, müssen Unternehmen intelligente Strategien nutzen. Was sind die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen der Digitalen Transformation? Was bedeutet das für Digitalisierungsprojekte? Und welchen Unterschied macht hierbei die Unternehmensgröße?
Gamechanger für die Industrie 4.0

Gamechanger für die Industrie 4.0

Mehr Standard für den Digitalen Zwilling
Industrieunternehmen setzen große Hoffnungen auf den Digitalen Zwilling. Angesichts der vielversprechenden Vorteile ist das nicht verwunderlich. Die virtuellen Abbilder physischer Industrieprodukte sollen Prozesse optimieren, Stillstände vorhersagen und somit Kosten einsparen. Doch bislang klaffen Theorie und Praxis. Was aber, wenn Maschinen, Systeme und Software eine standardisierte Sprache sprechen könnten?
Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am Allgemein. Setzen Sie ein Lesezeichen auf den permalink.