Was macht Aimtec? Was verbirgt sich hinter dem Unternehmen?
Aimtec ist Digitalisierungspartner für produzierende Unternehmen, darunter internationale Corporations genauso wie der klassische lokale Mittelstand, besonders in der Automobilzuliefererindustrie. Wir helfen ihnen, vor allem Prozesse in der Logistik und der Produktion zu digitalisieren, zu integrieren und zu automatisieren. Gerade Automobilzulieferer haben hier einen großen Bedarf, da sie oftmals ihre Prozesse nahtlos an die Just-in-Time- und Just-in-Sequence-Produktion der Automobilhersteller anbinden müssen.
Gleichzeitig müssen sie dabei die hohen Qualitätsanforderungen der Automobilindustrie abdecken. Hier spielt beispielsweise Nachverfolgbarkeit eine wichtige Rolle. Wir haben aber nicht nur OEMs oder Automobilzulieferer als Kunden, sondern auch Unternehmen aus anderen Branchen, wie Aerospace, Kunststofffertigung oder Metallverarbeitung. Andere Branchen wie Logistik, Medizintechnik, Pharma oder sogar die Lebensmittelindustrie profitieren von unserer Expertise, zum Beispiel bei Qualitätsmanagement, Rückverfolgbarkeit und Standardisierung. Referenzkunden sind Continental Automotive, Fehrer Bohemia, Magna und Rapa, um nur einige zu nennen.

Was für eine Digitalisierungsplattform nutzt Aimtec?
Wir bieten sowohl Lösungen für den gesamten MOM-Prozess im Unternehmen als auch Unterstützung unserer Partner im Bereich der Digitalisierung und Integration der Lieferkette. Bei den Factory Innovation Awards haben wir unsere komplexeste Lösung vorgestellt: die selbst entwickelte Plattform Aimtec DCIx. Sie ist eine Orchestrierungsschicht, welche aus zahlreichen Modulen, wie WMS, QMS oder MES besteht, und an verschiedene Systeme angebunden ist.
Diese Module steuern etwa autonome Roboter, Hochregale, Förderbänder oder VNA-Stapler, welche als Handlungsgrundlage die Informationen aus dem ERP-System verwenden, die sie über Aimtec DCIx bekommen. Diese Integrierbarkeit und die Fähigkeit, sich mit anderen Systemen zu koppeln, ist einer unserer USPs. Unsere Kunden schätzen, dass Aimtec DCIx einfach konfigurierbar und skalierbar ist. Das System lässt sich einfach bedienen und ist für jeden Anwendenden schnell erlernbar. Wir verfolgen den Cloud-First-Ansatz.
In den letzten Jahren haben wir die gesamte Architektur der Plattform auf Microservices umgestellt und containerisiert. Diese Cloud-Native-Philosophie beschleunigt die Implementierung und vereinfacht die Konfigurierbarkeit der einzelnen Services. Wir sind stolz, unseren Kunden eine so leistungsstarke, flexible und vor allem praxiserprobte Lösung anbieten zu können, die sie selbst betreiben können.
Können Sie uns ein Praxisbeispiel zu einer gelungenen Integration geben?
Die Implementierung von AutoStore für Continental Automotive ist ein gutes Beispiel. Dabei handelt es sich um ein Lagersystem, das im Werk im tschechischen Brandýs nad Labem implementiert wurde. Wir haben das Projekt als Systemintegrator begleitet und Aimtec DCIx dort implementiert, um darüber die komplexe Systemlandschaft im Werk zu orchestrieren.
Die Aimtec DCIx-Plattform ist an das SAP-System von Continental Automotive angebunden und steuert die autonomen Förderfahrzeuge im Werk sowie die vertikalen Liftmodule (VLS) und das vollautomatische System (ASRS) AutoStore. Ohne die Systemsteuerung durch Aimtec DCIx würde Continental ein viermal so hohes Datenaufkommen und einen viermal so großen Wartungsaufwand benötigen. Zusätzlich zur gesteigerten Effizienz spart Continental viel Platz. Von einer Lagerfläche von 5.400 m² hat das Unternehmen 2.000 m² eingespart. Diese Fläche steht jetzt der Produktion zur Verfügung.
Was war denn die schnellste Implementierung eines Systems?
Der Rekordhalter ist ein Unternehmen, das von einer Cyberattacke betroffen war. An einem Freitagabend hat die Attacke das gesamte Netzwerk lahmgelegt und verschlüsselt. Alle Daten waren verloren. Dank unseres Cloud-Ansatzes konnten wir Aimtec DCIx sehr schnell neu aufsetzen, was On-Premise so schnell nicht möglich wäre. Und dank eines Backups wurden auch wichtige Daten wiederhergestellt. Das alles hat nur ein Wochenende gedauert – absoluter Rekord. Die wichtigste Lehre, die Kunden daraus ziehen sollten: nutzt die Vorteile von Cloud-Lösungen wie Software-as-a-Service. Und natürlich benötigt jedes Unternehmen ein Backup.
Das ist wirklich schnell! Was macht das Angebot von Aimtec sonst noch einzigartig?
Uns gibt es seit über 28 Jahren, wir verfügen über einen riesigen Erfahrungsschatz und über ein sehr tiefgehendes Prozess-Know-how. Wir wissen, wie die Automobilzuliefererindustrie funktioniert und sind mit den Digitalisierungstechnologien vertraut. Wir bringen eine kundenorientierte Sicht und einen starken Beratungsansatz ein. Unser Ziel war es nie, einfach nur eine Lösung zu verkaufen und dann den Kunden damit allein zu lassen. Wir bauen auf lange Partnerschaften. Gemeinsam erarbeiten wir die Digitalisierungsstrategie und Roadmap und helfen unseren Kunden, diese Schritt für Schritt zu erreichen. Gleichzeitig sind wir mit neuen Trends vertraut und in der Lage einzuschätzen, was unseren Kunden wie weiterhelfen kann.
Welche Trends sehen Sie in der Digitalisierung? Welche Rolle wird Künstliche Intelligenz spielen?
Automatisierung ist ein großes Thema. Das sehen wir an den zahlreichen Automatisierungsprojekten, die wir in der Lagerlogistik umgesetzt haben. Die letzte Ausbaustufe hier ist das Dark Warehouse, also ein vollautomatisiertes Lager. In der Fertigung sieht es nicht viel anders aus. Auch hier nimmt der Einsatz von Robotik zu, und der Automatisierungsgrad auf dem Shopfloor steigt. Unter anderem durch die Pandemie und die gestörten Lieferketten haben wir gesehen, wie wichtig Transparenz ist und dass sie nicht selbstverständlich ist.

Planbarkeit ist in den letzten Jahren schwieriger geworden. Einkäufer und Logistiker vieler Branchen haben daher einen steigenden Bedarf an Agilität und Flexibilität. Dabei geht Transparenz immer in mehrere Richtungen. Neben der Richtung zum Kunden oder Lieferanten ist auch die Transparenz im eigenen Werk und den Systemen immer kritischer. Die Digitalisierung der Prozesse in Logistik und Produktion kann hier einen großen Beitrag leisten, Transparenz in der Lieferkette zu erlangen und die Handlungsfähigkeit aufrechtzuerhalten.
Natürlich spielt auch KI eine wichtige Rolle. Wir sehen uns in dem Bereich aber nicht als Early Adopter, sondern bauen auf bewährte Lösungen. Das bedeutet nicht, dass wir uns nicht mit KI befassen, das Gegenteil ist der Fall. Jedoch ist ein komplexes Kundenprojekt kein Versuchslabor für neue Technologien. An dieser Stelle setzen wir auf Erprobtes.
Was hat Ihnen an den Factory Innovation Awards auf der Hannover Messe besonders gut gefallen?
Mir hat imponiert, wie hochkarätig die Jury besetzt war und welch tiefes Verständnis sie von der Materie hat. Sie hat uns wirklich gefordert. Es hat Spaß gemacht, sich dieser Herausforderung zu stellen. Umso mehr ist dieser Award eine Auszeichnung und eine Bestätigung unserer Arbeit, unseres kundenorientierten Ansatzes und unserer Herangehensweise an Software und Digitalisierung. Die Award-Verleihung war wirklich gut organisiert. Wir haben uns dort sehr wohlgefühlt.
Herr Stoces, vielen Dank für das Gespräch. Gibt es ein paar Worte zum Abschluss?
Ich habe zu danken. Digitalisierung ist kein Selbstzweck. Sie soll menschliche Arbeit leichter machen, Prozesse effizienter und planbarer machen. Dafür braucht es Menschen und Kompetenzen. Letztlich sollen ja Menschen von der Digitalisierung profitieren.
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